Ratgeber · Fragen aus der Praxis · Oberding (Erding)

Ratgeber: Paartherapie, Familie, Supervision – Fragen aus der Praxis

Antworten auf Fragen, die sich viele erst am Telefon trauen zu stellen. Aus über 25 Jahren Praxis in Paartherapie, Familientherapie, Einzelberatung, Supervision, traumasensibler Begleitung und Online-Beratung. Faktengeprüft, ohne Fachchinesisch – und ohne dass Sie sich vorher erklären müssen.

Von Reinhard Egger, Systemischer Familientherapeut (DGSF) und Supervisor · Zuletzt aktualisiert: 23. August 2026

Grundsatzfragen

Woran merke ich, dass ich professionelle Unterstützung brauche und nicht einfach „durchhalten“ sollte?

Die meisten Menschen, die bei mir in der Praxis in Oberding anrufen, fragen sich das schon seit Wochen oder Monaten, bevor sie tatsächlich den Hörer in die Hand nehmen. Ein einzelnes, eindeutiges Warnsignal gibt es selten. Was ich in der Praxis öfter sehe: Sie merken, dass eine Situation sich nicht mehr von selbst löst – im Gegenteil, sie zieht sich hin oder wiederholt sich immer wieder in ähnlicher Form. Ein weiteres Zeichen: Ihre bisherigen Lösungsversuche greifen nicht mehr, oder Menschen in Ihrem Umfeld haben Ihnen schon gesagt, dass Sie sich verändert haben. Sie müssen dafür nicht „krank“ sein und keine Diagnose mitbringen. Ein kurzes, kostenloses Ersttelefonat reicht oft schon, um gemeinsam einzuschätzen, ob und wie ich Ihnen helfen kann.

Was ist der Unterschied zwischen Beratung, Coaching und Therapie?

Eine Psychotherapie behandelt psychische Erkrankungen mit Krankheitswert und wird über die Krankenkasse abgerechnet. Coaching ist meist auf einen einzelnen Bereich begrenzt und zielorientiert. Meine systemische Beratung liegt bewusst dazwischen – für Menschen in einer akuten Lebenskrise, unabhängig davon, ob sie sich gesund oder überfordert erleben.

→ Ausführlicher in den FAQ zu Einzelberatung & Coaching
Was passiert beim ersten Gespräch – und was, wenn ich gar nicht weiß, was ich sagen soll?

Sie müssen sich auf das erste Gespräch nicht vorbereiten – diese Sorge hält viele Menschen vom Anrufen ab, deshalb nehme ich Ihnen das bewusst ab. Ich übernehme die Führung, unter anderem mit einem kurzen Genogramm und der sogenannten Wunderfrage. Es geht in den ersten Minuten vor allem um Orientierung und Sicherheit, nicht um eine perfekte Schilderung Ihres Anliegens.

→ Der komplette Ablauf der ersten Sitzung
Muss man „psychisch krank“ sein, um zu einem systemischen Berater zu gehen?

Nein – und genau diese Vorstellung hält viele Menschen unnötig lange davon ab, sich zu melden. Eine Diagnose ist keine Eintrittskarte für ein Gespräch bei mir. Die meisten Menschen, die zu mir kommen, sind nicht krank im medizinischen Sinn – sie stecken in einer Situation, die sie gerade allein nicht mehr sortiert bekommen: eine Beziehung, die kippt, ein Team, das nicht mehr funktioniert, eine Entscheidung, die sich immer weiter aufschiebt. Das reicht völlig als Grund, anzurufen. Zeigt sich im Gespräch, dass tatsächlich eine behandlungsbedürftige Erkrankung dahintersteckt, sage ich Ihnen das offen – aber das ist die Ausnahme, nicht die Voraussetzung.

Kosten, Krankenkasse und Wartezeit

Was kostet eine Paartherapie?

Bei mir kostet eine Sitzung 90 bis 108 Euro – volle 60 Minuten, nach Selbsteinschätzung ohne Einkommensnachweis. Das Ersttelefonat ist kostenlos. Alle Details, die Honorartabelle und den Marktvergleich finden Sie auf der Kostenseite.

→ Kosten einer Paartherapie: Honorartabelle und Zahlungswege
Wird eine Paartherapie von der Krankenkasse bezahlt?

Nein – Paartherapie ist grundsätzlich keine Kassenleistung, weder gesetzlich noch privat. Das hat auch eine gute Seite: keine Diagnose in einer Akte, keine Daten an Kassen, keine Wartelisten. Die Hintergründe stehen auf der Kostenseite.

→ Mehr zu den Kosten einer Paartherapie
Wie lange muss ich auf einen Termin warten?

In der Regel zeitnah, in dringenden Fällen oft am gleichen oder nächsten Tag – Abend- und Samstagstermine nach Absprache. Mehr zu Terminen und Ablauf auf der Kostenseite.

→ Ablauf und Termine im Detail
Kann ich die Kosten steuerlich absetzen?

Paartherapie lässt sich weder bei der Krankenkasse einreichen noch in der Regel absetzen; beruflich veranlasstes Coaching und Supervision dagegen üblicherweise schon. Details auf der Kostenseite – und im Zweifel bei Ihrer Steuerberatung.

→ Steuerliche Details auf der Kostenseite
Was passiert, wenn ich einen Termin kurzfristig absagen muss?

Bis zum Vorabend kostenfrei – ein Ausfallhonorar berechne ich nicht. Warum ich das so handhabe, steht auf der Kostenseite.

→ Absage-Regelung im Detail

Paartherapie & Beziehungskrisen

Warum eskaliert bei uns jeder Streit sofort, selbst wegen Kleinigkeiten?

Meistens hat das wenig mit der Kleinigkeit zu tun, über die gerade gestritten wird. Der Paarforscher John Gottman hat in jahrzehntelangen Beobachtungsstudien vier Muster identifiziert, die Eskalationen deutlich verstärken können: Kritik statt konkreter Bitte, Verachtung, Rechtfertigung und Rückzug („Mauern“). Ist eines dieser Muster erst einmal eingespielt, kann schon eine kleine Reibung reichen, um die ganze Dynamik hochzufahren – nicht weil die Beziehung kaputt ist, sondern weil sich ein Kreislauf verselbstständigt hat. In der Paartherapie schauen wir uns genau diesen Kreislauf an: Wer reagiert wie auf wen, und an welcher Stelle könnten Sie beide aussteigen, bevor es eskaliert. Das lässt sich lernen, auch wenn es sich gerade unmöglich anfühlt.

Quelle: John Gottman, „Four Horsemen“-Modell (Gottman Institute) – etabliertes Konzept der Paarforschung.
Woran erkenne ich, ob unsere Beziehung noch zu retten ist?

Eine einfache Checkliste dafür gibt es nicht, so gerne ich sie Ihnen geben würde. Was ich in der Praxis öfter beobachte: Beziehungen, in denen trotz allem beide Seiten noch den Wunsch haben, dass es besser wird, haben fast immer eine Chance – selbst wenn sich das im Moment nicht so anfühlt. Schwieriger wird es, wenn eine Seite innerlich bereits abgeschlossen hat. Aber selbst das lässt sich in einem Erstgespräch meist herausfinden, ohne dass Sie es vorher für sich klären müssten. Ich arbeite dabei bewusst allparteilich: Es geht nicht darum, dass ich Ihnen sage, ob Sie bleiben oder gehen sollen, sondern darum, dass Sie beide wieder klarer sehen, woran Sie wirklich sind.

Ist es normal, dass man sich in einer langen Beziehung auseinanderlebt?

Ja, das ist eine der häufigsten Erfahrungen, die Paare nach vielen gemeinsamen Jahren beschreiben – und nein, das heißt nicht automatisch, dass etwas falsch gemacht wurde. Beziehungen verändern sich zwangsläufig, wenn sich beide Menschen darin weiterentwickeln: beruflich, persönlich, manchmal durch Kinder oder durch eine Krankheit. Problematisch wird es meist erst, wenn aus dem Auseinanderleben ein dauerhaftes Nebeneinanderherleben wird, ohne dass darüber gesprochen wird. Die gute Nachricht: Nähe lässt sich wiederaufbauen, oft schneller, als Paare denken, sobald beide bereit sind, das Schweigen zu unterbrechen.

Muss mein Partner mitkommen, oder kann ich auch allein anfangen?

Sie können auch allein bei mir anfangen – das ist sogar recht häufig der Fall. Viele gewinnen zunächst für sich selbst Klarheit und bringen neue Impulse in die Beziehung ein. Oft verändert genau das die Dynamik zu Hause spürbar – manchmal steigt der Partner später doch noch mit ein.

→ Mehr zur Paartherapie
Stimmen die Zahlen, die man überall zur Paartherapie liest?

Zwei davon nicht. Die verbreitete „77-Prozent-Erfolgsquote“ stammt nicht aus einer Studie, sondern aus einer Marktforschungsumfrage von 2014 mit 906 Befragten und beruht auf Selbsteinschätzung. Und die Aussage „jede zweite Ehe wird geschieden“ ist nach Angaben des Statistischen Bundesamts ein Mythos – die zusammengefasste Scheidungsziffer lag zuletzt bei 28,4 Prozent.

Was belastbar ist: Ähnlich belastete Paare, die auf einer Warteliste standen und keine Therapie erhielten, verbesserten sich statistisch nicht. Abwarten ist also keine neutrale Option. Die konkreten Trennungszahlen und ihre Grenzen habe ich mit allen Primärquellen in einem eigenen Beitrag aufgeschrieben.

→ Wie viele Paare trennen sich nach einer Paartherapie? Der vollständige Fachbeitrag
Wie hoch ist die Erfolgsquote einer Paartherapie?

Ehrliche Antwort: Es gibt keine seriöse einzelne Prozentzahl, und wer Ihnen eine nennt, hat sie in aller Regel aus einer Umfrage und nicht aus einer Studie. Das Problem beginnt schon bei der Definition. Ist es ein Erfolg, wenn ein Paar zusammenbleibt? Auch dann, wenn es unglücklich zusammenbleibt? Und ist eine Trennung ein Misserfolg, wenn sie beiden Beteiligten hinterher deutlich besser geht und die Kinder nicht zwischen den Fronten stehen?

Was die Forschung hergibt, ist belastbarer als eine Quote: Paartherapie wirkt messbar besser als Nichtstun, die Effekte sind über Jahre hinweg stabil, und der größte Einzelfaktor ist nicht die Methode, sondern wie früh ein Paar kommt. Ich arbeite bewusst veränderungsneutral – mein Erfolgsmaßstab ist, dass Sie beide am Ende klarer sehen, woran Sie sind, nicht dass ein bestimmtes Ergebnis herauskommt.

→ Alle Zahlen, Studien und ihre Grenzen im Fachbeitrag
Wann lohnt sich eine Paartherapie nicht mehr?

Seltener, als die meisten denken. Für mich gibt es eigentlich kein Ausschlusskriterium – man muss nur die Bedingungen anpassen. Das gilt nicht nur für die Paartherapie, sondern für jede Art von Beratung, die ich anbiete. Diese Haltung stammt aus zwanzig Jahren Sozialpädagogischer Familienhilfe bei einer Einrichtung ohne Ausschlusskriterien – dem einzigen Träger dieser Hilfeform im Landkreis Dachau, den das Deutsche Jugendinstitut in seinem Handbuch als eines von vier Modellen bundesweit dargestellt hat. In den Arbeitskreisen mit anderen Trägern waren akute Sucht und akute psychiatrische Erkrankungen dagegen fast immer Ausschlussgründe – also ausgerechnet die Fälle, in denen niemand sich leicht eine Alternative sucht. Vier Situationen, die anderswo als Ausschluss gelten und es bei mir nicht sind:

Einer hat sich innerlich schon entschieden. Das ist kein Grund, es zu lassen – im Gegenteil. Wenn beide bereit sind, noch einmal zu prüfen, ob wirklich alles unternommen wurde, lohnt sich das auf jeden Fall. Selbst wenn es am Ende bei der Trennung bleibt, sind Dinge ausgesprochen worden, und zwar moderiert. Sonst wären sie womöglich jahrelang unausgesprochen im Raum geblieben. Und wenn Kinder da sind, wiegt ein zweiter Punkt noch schwerer: Sie bleiben Eltern, auch wenn Sie kein Paar mehr sind. Wer diese Rolle geklärt hat, kann sie deutlich besser ausfüllen – und muss die Kinder nicht zu Vermittlern machen, was ihnen eine Last auflädt, die ihnen nicht zusteht.

Gewalt. Ich arbeite sehr wohl mit Paaren, bei denen Gewalt ein Thema ist, und habe mich dafür eigens fortgebildet. Die Bedingung ist klar und gilt ohne Ausnahme: Beide erklären sich einverstanden, für den Zeitraum der Beratung auf Gewalt zu verzichten. Das ist Teil dessen, was ich das Basislager nenne. Zu Beginn sind auch Einzelgespräche möglich – oft sind sie es, die ein gemeinsames Gespräch überhaupt erst möglich machen. Wenn Sie akut gefährdet sind, gehen Sicherheit und die Nummern oben auf dieser Seite allerdings vor.

Eine unbehandelte psychische Erkrankung. Auch damit kann ich arbeiten, sofern meine Empfehlung angenommen wird, parallel eine Behandlung aufzunehmen. Häufig ist genau das ein Teil meiner Arbeit: herauszufinden, welche Fachrichtung überhaupt die richtige wäre und wie man dort hinkommt.

Eine Suchtproblematik. Ich habe ein Jahr in einer Langzeit-Entwöhnungstherapie gearbeitet und kenne Beratung im Kontext von Sucht aus der Praxis. Auch hier gibt es eine Bedingung, und sie ist nicht verhandelbar: Termine bei mir können nur stattfinden, wenn Sie für diese Stunde von Suchtmitteln abstinent sind.

Was ausdrücklich kein Grund ist, es zu lassen: dass Sie sich schon lange streiten, dass es einen Vertrauensbruch gab, dass Sie schon einmal eine Therapie abgebrochen haben oder dass Sie selbst nicht mehr daran glauben. Genau damit fangen die meisten Paare bei mir an.

Für wen lohnt sich eine Paartherapie?

Paartherapie ist nicht an eine Ehe oder eine bestimmte Lebensform gebunden. Verheiratet oder unverheiratet, zusammenlebend oder in einer Fernbeziehung, hetero- oder homosexuell, mit oder ohne Kinder, seit zwei Jahren oder seit dreißig: Entscheidend ist allein, dass zwei Menschen ihre Beziehung verstehen oder verändern möchten.

Am meisten profitieren erfahrungsgemäß Paare, die kommen, bevor die Fronten vollständig verhärtet sind – also eher bei „Wir reden nur noch über Organisatorisches“ als bei „Wir haben schon zwei Anwälte“. Aber auch Paare, bei denen offen ist, ob es weitergeht, sind bei mir richtig. Das ist ein vollwertiger Auftrag, kein halber.

Wie läuft eine Paartherapie ab?

Vor dem ersten Termin steht ein kostenloses Ersttelefonat von etwa fünfzehn Minuten, in dem wir klären, ob ich der Richtige für Ihr Anliegen bin. Zum ersten Gespräch müssen Sie sich nicht vorbereiten – ich übernehme bewusst die Führung, das nimmt den Druck. In der Regel sind zu Beginn beide anwesend, und beide schildern nacheinander ihre Sicht, während der andere zuhört, ohne zu unterbrechen. Allein dieser Rahmen verändert oft schon etwas.

Eine Sitzung dauert volle 60 Minuten. Am Anfang liegen die Termine meist ein bis zwei Wochen auseinander, später werden die Abstände größer. Wir vereinbaren keine feste Anzahl im Voraus: Der systemische Ansatz ist als Kurzzeitformat angelegt, viele Paare erleben schon nach wenigen Terminen eine spürbare Entlastung, und Sie entscheiden nach jedem Gespräch neu, ob und wann es weitergeht.

→ Der Ablauf im Detail
Kann eine Paartherapie eine Ehe wirklich retten?

Retten können eine Ehe nur Sie beide – und ich kann Ihnen mit der Erfahrung aus 25 Jahren Paartherapie vielleicht dabei helfen. Was ich beitrage, ist konkret: Ich unterbreche die Kreisläufe, in denen sich Paare festfahren, und stelle die Bedingungen wieder her, unter denen ein echtes Gespräch überhaupt möglich ist. In vielen Fällen sehe ich früher als die Beteiligten, an welcher Stelle sich etwas bewegen lässt – das ist der Vorteil, wenn man vieles davon schon oft gesehen hat.

Ein bestimmtes Ergebnis verspreche ich Ihnen trotzdem nicht. Ich arbeite allparteilich und veränderungsneutral: Ich rate weder zum Bleiben noch zum Gehen. Und wenn sich zeigt, dass es nicht weitergeht, endet meine Begleitung nicht automatisch – wie Sie es Ihren Kindern sagen und wie Sie Eltern bleiben, auch wenn Sie kein Paar mehr sind, war zwanzig Jahre lang mein Hauptberuf.

→ Fachbeitrag: Wie viele Paare trennen sich nach einer Paartherapie?

Affäre und Vertrauensbruch

Hilft eine Paartherapie nach einer Affäre?

Ja, und es ist einer der häufigsten Anlässe überhaupt. Was in dieser Situation fehlt, ist selten der gute Wille – es fehlt ein Rahmen, in dem beide sagen können, was ist, ohne dass es sofort eskaliert oder in Rechtfertigung kippt. Genau den stelle ich her.

Was Sie mitbringen müssen, ist wenig: die Bereitschaft, sich das anzuhören, was der andere zu sagen hat. Nicht das Einverständnis damit. Nur die Bereitschaft, es stehen zu lassen, bis es verstanden ist. Alles Weitere klärt sich im Prozess, nicht vorher.

Müssen wir die Affäre erst beenden, bevor wir zu Ihnen kommen können?

Nein. Viele Beratungsangebote machen den Kontaktabbruch zur Vorbedingung. Ich nicht. Manche Paare kommen mit einer laufenden Affäre zu mir, und ich kann sie gut begleiten – meistens wollen die beiden ohnehin wieder zueinander finden und wissen nur nicht, wie.

Ich halte diese Vorbedingung auch fachlich für fragwürdig. Bei einer Affäre geht es manchmal um unerfüllte Bedürfnisse, oft aber um echte Gefühle. Zu verlangen, dass die zuerst verschwinden, verlangt etwas, das niemand auf Ansage kann – und macht aus einer Beratung eine Prüfung, die man erst bestehen muss.

Eine Grenze gibt es allerdings, und die ist nicht verhandelbar: Ich kann kein einseitiges Geheimnis tragen. Erfahre ich in einem Einzelgespräch von einer laufenden Affäre, von der die andere Person nichts weiß, kann ich Sie als Paar nicht mehr allparteilich begleiten. Dann verweise ich weiter, statt mit einem Wissen zu arbeiten, das nicht allen gehört. Das ist keine moralische Wertung Ihrer Situation, sondern die Bedingung meiner eigenen Arbeitsfähigkeit.

Muss ich alle Details offenlegen – und muss ich alles wissen wollen?

Beides nicht. Ich verlange keine vollständige Offenlegung, und ich halte auch nichts davon, sie zur Bedingung zu machen. Wie viel Wissen jemand braucht, um weitergehen zu können, ist bei jedem Menschen anders: Manche brauchen Klarheit über den Ablauf, andere werden von genau dieser Klarheit über Jahre verfolgt.

Was in der Beratung besprochen wird, entscheiden Sie beide – nicht ich und nicht ein Regelwerk. Meine Aufgabe ist, dass die Frage „Wie viel will ich eigentlich wissen?“ überhaupt gestellt werden darf, statt dass sie unter dem Druck des Moments beantwortet wird.

Kann man eine Affäre wirklich verzeihen?

Manche können es, manche nicht, und beides ist eine legitime Antwort. Ich arbeite veränderungsneutral: Ich rate Ihnen weder zum Bleiben noch zum Gehen und halte Verzeihen nicht für die bessere der beiden Möglichkeiten.

Was ich in der Praxis öfter sehe: Verzeihen ist selten ein Entschluss, den man fasst, sondern etwas, das sich einstellt – oder eben nicht – wenn verstanden ist, wie es dazu kam. Deshalb arbeiten wir zuerst am Verstehen. Die Frage nach dem Verzeihen beantwortet sich danach oft von selbst, in die eine oder die andere Richtung.

Wie lange dauert es, bis Vertrauen wieder da ist?

Darauf gibt es keine seriöse Zahl, und wer Ihnen eine nennt, rät. Was sich sagen lässt: Vertrauen kehrt nicht als Entscheidung zurück, sondern als Erfahrung – über viele kleine Situationen, in denen das Befürchtete nicht eintritt.

Was diesen Weg verlängert, ist meist nicht die Affäre selbst, sondern die Art, wie danach darüber gesprochen wird: Kontrollversuche auf der einen Seite, Abwehr auf der anderen, und beide fühlen sich im Recht. Genau dieser Kreislauf lässt sich unterbrechen, und das geht oft schneller, als Paare erwarten.

Kann man verlorene Nähe wieder aufbauen?

In den meisten Fällen ja – und häufig schneller, als beide denken. Nähe verschwindet selten durch ein einzelnes Ereignis. Sie geht verloren, weil sich über Monate ein Muster eingeschliffen hat, in dem jeder Annäherungsversuch entweder ungünstig getimt ist oder falsch verstanden wird, bis beide es lieber lassen.

Was hilft, ist nicht der große Neuanfang, sondern eine erste kleine Situation, in der es anders läuft als sonst. Deshalb suche ich mit Paaren bewusst einen kleinen gemeinsamen Nenner statt eines großen Ziels: einen, der so nah am Alltag liegt, dass Sie schon in der Woche darauf merken, ob sich etwas bewegt.

→ Mehr zu körperlicher Nähe und Begehren
Wie gehen wir mit Eifersucht um, ohne dass sie die Beziehung zerstört?

Eifersucht ist kein Charakterfehler und lässt sich auch nicht wegdiskutieren. Sie ist meistens ein Alarmsignal – und die entscheidende Frage ist, worauf sie eigentlich Alarm schlägt. Manchmal auf etwas Reales in der Gegenwart, manchmal auf eine alte Erfahrung, die mit dem jetzigen Partner wenig zu tun hat, oft auf beides gleichzeitig.

Was die Sache verschärft, ist der übliche Umgang damit: Der eine sucht Beweise, der andere rechtfertigt sich, und beide bestätigen damit unfreiwillig die Befürchtung des anderen. In der Beratung geht es weniger darum, ob die Eifersucht „berechtigt“ ist – diese Frage führt selten weiter –, sondern darum, was der eifersüchtige Mensch braucht, um sich wieder sicher zu fühlen, und was der andere davon geben kann, ohne sich selbst aufzugeben.

→ Mehr zur Paartherapie und wie ich arbeite

Familientherapie & Familienkonflikte

Warum wiederholen sich in Familien oft dieselben Muster über Generationen hinweg?

Familien sind Systeme, und Systeme geben Muster weiter, oft ohne dass es jemand bewusst so entscheidet. Mein Lehrer Peter Nemetschek hat mir dafür ein Bild mitgegeben, das ich bis heute in der Praxis nutze: das Mobile-Prinzip. Bewegt sich ein Teil der Familie, bewegen sich automatisch alle anderen mit – deshalb wiederholen sich Konfliktlinien oft über Generationen, weil das ganze Gefüge sie mitträgt, nicht nur eine einzelne Person. In der Familientherapie arbeite ich oft mit einem kurzen Genogramm, um genau diese Muster gemeinsam sichtbar zu machen. Das ist keine Schuldzuweisung an die Großelterngeneration, sondern ein Werkzeug, um zu verstehen, was sich verändern lässt, sobald es einmal erkannt ist.

Wie setze ich Grenzen bei meinen Kindern oder meinen eigenen Eltern, ohne dass es noch schlimmer wird?

Grenzen setzen bedeutet fast nie, lauter zu werden oder mehr Regeln aufzustellen – meistens hilft eher das Gegenteil: klarer und ruhiger zu werden, dafür aber verlässlich. Bei Kindern gilt: Eine Grenze, die Sie konsequent halten, wirkt stärker als zehn Ankündigungen, die Sie dann doch nicht durchziehen. Bei den eigenen Eltern ist es oft schwieriger, weil alte Rollen wieder hochkommen, sobald man selbst wieder „das Kind“ ist. Hier hilft es häufig, sich vorher zu überlegen, welchen einen Satz Sie wirklich sagen wollen, und diesen ruhig zu wiederholen, statt sich in eine Diskussion ziehen zu lassen. In der Beratung erarbeiten wir das konkret für Ihre Situation – pauschale Rezepte funktionieren hier selten.

Ist es normal, sich als Mutter oder Vater manchmal wie ein Versager anzufühlen?

Ja, und Sie sind damit nicht annähernd allein. Die bislang größte internationale Untersuchung zum sogenannten Elternburnout – über 17.000 Eltern in 42 Ländern – kommt zu konservativen Schätzungen von mindestens 5 Prozent der Eltern, mit erheblichen Unterschieden je nach Land und Belastungssituation. Das Gefühl, zu versagen, ist dabei meistens ein Zeichen von Erschöpfung, nicht von tatsächlichem Versagen. In der Familienberatung schauen wir gemeinsam darauf, wo die eigentliche Überlastung herkommt und wie sich echte Entlastung im Alltag schaffen lässt – statt Ihnen weitere Erziehungsratschläge mitzugeben, die Sie vermutlich ohnehin schon kennen.

Quelle: Roskam, Mikolajczak et al. (2021), „Parental Burnout Around the Globe“ – 42-Länder-Studie (Affective Science).
Wie gehe ich mit Konflikten in der Patchwork-Familie um?

Patchwork-Familien bringen eigene, oft unausgesprochene Regeln und Loyalitätskonflikte mit – ein Kind, das sich zwischen leiblichem Elternteil und Stiefelternteil zerrissen fühlt, ist dabei eher die Regel als die Ausnahme. Der erste hilfreiche Schritt ist meist, Rollen und Zuständigkeiten überhaupt erst auszusprechen, statt sie stillschweigend vorauszusetzen.

→ Mehr zur Familientherapie

Einzelberatung & Coaching / Persönliche Krisen

Warum fühle ich mich innerlich leer oder ausgebrannt, obwohl ich genug schlafe?

Schlaf allein repariert diese Art von Erschöpfung meistens nicht, weil sie selten rein körperlich ist. Offiziell zählt Burnout laut WHO (ICD-11) nur als arbeitsbezogenes Syndrom, mit drei Merkmalen: Erschöpfung, innere Distanzierung von der Arbeit und das Gefühl, weniger zu leisten als früher. Erschöpfung durch andere Lebensbereiche – die Pflege der Eltern, eine lange Beziehungskrise, Dauerstress in der Familie – fällt offiziell nicht darunter, fühlt sich aber genauso real an. Und ehrlich gesagt: Ihrem Nervensystem ist es meistens ziemlich egal, woher der Druck kommt. Was ich in der Beratung oft sehe: Menschen funktionieren nach außen noch einwandfrei, während innerlich längst nichts mehr nachkommt. Das ist keine Charakterschwäche, sondern ein Warnsignal, das ernst genommen werden sollte, bevor der Körper die Reißleine zieht.

Quelle: WHO ICD-11, Code QD85 (Burnout als arbeitsbezogenes Syndrom, keine eigenständige Krankheit).
Warum zweifle ich ständig an mir selbst und erkenne mich manchmal kaum wieder?

Häufig entsteht dieses Gefühl nicht plötzlich, sondern schleichend – nach einer längeren Phase, in der Sie sich mehr an fremden Erwartungen orientiert haben als an eigenen. Das eigene Empfinden verliert dann an Gewicht, weil es ständig überstimmt wurde, von außen oder von einem inneren Kritiker, der irgendwann übernommen hat. In der Einzelberatung geht es zunächst darum, diesen inneren Kritiker von Ihrer eigentlichen Stimme zu unterscheiden – nicht, um ihn zum Schweigen zu bringen, das gelingt selten, sondern um der eigenen Einschätzung wieder mehr Gewicht geben zu können. Das ist keine Frage von Willenskraft, sondern von Übung, und die lässt sich in erstaunlich kurzer Zeit wieder aufbauen.

Woran erkenne ich erste Anzeichen von Burnout bei mir selbst?

Klassische frühe Anzeichen: Sie brauchen für dieselbe Aufgabe spürbar länger als früher, kleine Dinge bringen Sie schneller aus der Fassung, und Erholungspausen wirken nicht mehr richtig – Sie starten schon erschöpft in den freien Tag. Aus meiner eigenen Zeit als Fitnesstrainer weiß ich außerdem: Körperliche Symptome wie Verspannungen, Schlafprobleme oder ein dauerhaft erhöhter Puls werden oft ignoriert, bis sie sich nicht mehr ignorieren lassen. Wenn Sie zwei oder drei dieser Anzeichen über mehrere Wochen bei sich bemerken, würde ich nicht warten, bis daraus ein handfester Zusammenbruch wird. Ein frühes Gespräch ist fast immer leichter als ein spätes.

Was unterscheidet eine normale Krise von einer behandlungsbedürftigen Depression?

Eine klare Trennlinie gibt es nicht, und das ist auch gut so – Sie müssen sie nicht selbst ziehen, bevor Sie sich melden. Als grobe Orientierung: Eine akute Krise ist meist an ein konkretes Ereignis oder eine Situation gekoppelt und lässt spürbar nach, sobald sich etwas verändert oder Sie Unterstützung bekommen. Zieht sich die Erschöpfung, Freud- und Antriebslosigkeit dagegen über mehrere Wochen hin, unabhängig von äußeren Umständen, und beeinträchtigt sie spürbar Alltag, Schlaf oder Appetit, ist das ein Signal, das ärztlich oder psychotherapeutisch abgeklärt gehört – nicht, weil Beratung dann nichts mehr wert wäre, sondern weil eine behandlungsbedürftige Depression zusätzlich eine medizinische Behandlung braucht. Im Zweifel bespreche ich das offen mit Ihnen im Erstgespräch und vermittle Sie bei Bedarf weiter, statt Sie im falschen Rahmen zu behalten.

Beratung zu zweit

Gibt es Beratung auch für zwei Menschen, die kein Paar sind?

Ja. Zu mir kommen Geschwister, Freundinnen und Freunde, Eltern mit ihren erwachsenen Kindern und Menschen, die zusammenarbeiten. Setting, Dauer und Honorar sind dieselben wie in der Paartherapie.

→ Mehr zur Beratung zu zweit und ihren häufigen Fragen
Ist Beratung zu zweit dasselbe wie eine Mediation?

Vermitteln gehört zu meiner Arbeit, und ich nutze dafür auch Methoden aus der Mediation. Ausgebildeter Mediator bin ich nicht: Mediation im rechtlichen Sinn ist ein eigenes Verfahren, das auf eine verbindliche Vereinbarung zielt. Wo Sie genau das brauchen, sage ich es offen.

Zwei Kolleginnen wollen etwas klären – ist das Supervision oder Beratung zu zweit?

Das entscheidet der Auftrag. Kommt er von der Leitung oder dem Team, ist es Supervision. Kommen Sie beide als Personen, weil zwischen Ihnen etwas steht, ist es Beratung zu zweit – dann ist Ihr Arbeitgeber nicht beteiligt, und von mir erfährt er nichts.

Muss der andere überzeugt sein, oder reicht es, wenn einer anfängt?

Einer reicht für den ersten Schritt. Fragen Sie ihn trotzdem – die Einladung selbst verändert schon etwas. Kommt er nicht mit, können Sie zuerst allein kommen; an Ihrem eigenen Anteil lässt sich auch ohne den anderen arbeiten.

Supervision & Teamentwicklung / Arbeitskonflikte

Wie geht man als Führungskraft mit einem Team um, das nach einem belastenden Einsatz erschöpft ist?

Aus über 20 Jahren Supervision in Rettungsdienst, Palliativteams und Krisenteams – viele davon in der Region München und im Erdinger Umland – kann ich sagen: Der größte Fehler ist, direkt zur Tagesordnung überzugehen, weil „ja weitergearbeitet werden muss“. Teams, die nach einem belastenden Einsatz keinen Raum bekommen, das Erlebte kurz einzuordnen, tragen die Belastung oft unbemerkt in den nächsten Einsatz mit. Als Führungskraft reicht dafür oft schon eine kurze, strukturierte Nachbesprechung, in der jeder sagen kann, wie es ihm geht, ohne dass gleich eine große Aufarbeitungssitzung daraus wird. Baut sich Erschöpfung über mehrere Einsätze hinweg auf, ist der richtige Zeitpunkt für externe Supervision meistens früher, als die meisten Teams denken.

Wie geht man mit anhaltenden Spannungen im Team um, ohne dass es eskaliert?

Anhaltende Spannungen im Team eskalieren fast nie plötzlich – sie bauen sich über kleine, ungesagte Dinge auf, bis eine Kleinigkeit zum Auslöser wird. Der erste Schritt ist deshalb selten die große Konfliktklärung, sondern eine saubere Auftragsklärung: Worum geht es eigentlich, und wer muss dafür an einem Tisch sitzen. In der Teamsupervision achte ich bewusst darauf, dass niemand bloßgestellt wird – wir schauen auf das Muster im Team, nicht auf einzelne Schuldige. Das entlastet erfahrungsgemäß schneller, als die meisten Teams erwarten, weil endlich jemand von außen die Zwischentöne anspricht, die intern niemand aussprechen wollte.

Was tun, wenn ich innerlich schon „gekündigt“ habe, aber beruflich nicht wechseln kann?

Sie sind damit in großer Gesellschaft. Der Gallup Engagement Index für Deutschland zeigt für 2025, dass nur rund 10 Prozent der Beschäftigten eine hohe emotionale Bindung zu ihrer Arbeit haben, während 77 Prozent „Dienst nach Vorschrift“ machen und weitere rund 13 Prozent innerlich bereits gekündigt haben. Das kostet nicht nur die deutsche Wirtschaft laut Gallup zwischen 119 und 142 Milliarden Euro jährlich, sondern auch Sie selbst: Wer innerlich schon gekündigt hat, ist nachweislich häufiger krank als engagierte Kolleginnen und Kollegen – im Schnitt rund 4 Krankheitstage mehr pro Jahr. Wenn ein Wechsel gerade nicht möglich ist, lohnt sich trotzdem ein Blick darauf, was genau die Bindung hat kippen lassen. Oft lässt sich zumindest ein Teil davon verändern, ohne gleich den Job zu wechseln.

Quelle: Gallup Engagement Index Deutschland 2025.
Was ist der Unterschied zwischen Supervision und Coaching?

Supervision schaut auf Ihr berufliches Handeln im Kontext der Menschen, mit denen Sie arbeiten – klassischerweise in sozialen, pflegerischen oder therapeutischen Berufen. Coaching ist enger gefasst und zielt meist auf eine einzelne Person und ein konkretes berufliches Anliegen. Als Faustregel: Geht es um „Wie wirke ich in meiner Rolle auf andere, und was macht dieser Fall mit mir?“, sind Sie bei der Supervision richtig – geht es eher um eine persönliche berufliche Entscheidung oder Weiterentwicklung, passt Coaching besser. In der Praxis fließen beide Formen bei mir oft ineinander.

→ Mehr zu Supervision & Teamentwicklung

Sie fragen für eine Einrichtung? Kosten, Ablauf und Formate der Supervision gibt es auf zwei Seiten als PDF zum Weitergeben.

Traumasensible Begleitung

Was bedeutet „traumasensibel“ – muss ich über das Erlebte im Detail sprechen?

Nein, ausdrücklich nicht. In der traumasensiblen Begleitung geht es nicht darum, das Erlebte im Detail zu durchleben – das kann das Nervensystem sogar zusätzlich überfordern. Wir arbeiten stattdessen im Hier und Jetzt, mit Ihrer Stabilisierung und Sicherheit, in Ihrem Tempo.

→ Mehr zur traumasensiblen Begleitung → Was ist Ego-State-Arbeit?
Wie äußert sich Stress im Körper, ohne dass man im klinischen Sinn „traumatisiert“ ist?

Häufig sehr ähnlich, auch wenn die Ursache eine andere ist: ein dauerhaft erhöhter Grundtonus, Schlafprobleme, Reizbarkeit, das Gefühl, nie ganz zur Ruhe zu kommen, manchmal auch innere Erstarrung. Das Nervensystem unterscheidet zunächst nicht, ob eine Belastung „trauma-würdig“ im klinischen Sinn ist oder „nur“ ein sehr belastender Lebensabschnitt – es reagiert auf das, was gerade zu viel ist. In der Praxis nutze ich hypnosystemische Stabilisierungskonzepte, um genau diesen Grundtonus wieder herunterzufahren, unabhängig davon, wie die Ursache fachlich einzuordnen ist.

Was unterscheidet traumasensible Begleitung von einer klassischen Traumatherapie?

Eine klassische Traumatherapie wird von Fachärztinnen und Fachärzten oder psychologischen Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten durchgeführt und arbeitet direkt an der Verarbeitung des Traumas im medizinischen Sinn. Meine traumasensible Begleitung ist eine ressourcenorientierte Stabilisierung für Menschen, die keine psychiatrische Behandlung im engeren Sinn benötigen oder wollen.

Warum kann ich nachts nicht abschalten, wenn eine belastende Erinnerung wieder hochkommt?

Nachts fehlt die Ablenkung durch den Alltag, und das Nervensystem nutzt die Ruhe oft, um unverarbeitete Anspannung nachzuholen – deshalb kommen belastende Erinnerungen gerade dann besonders hartnäckig hoch, wenn tagsüber keine Zeit dafür war. Das ist keine Störung, sondern eine ganz normale Reaktion eines überlasteten Systems. Kurzfristig hilft oft schon, dem Körper aktiv ein Signal von Sicherheit zu geben – etwa durch eine feste Abendroutine, bewusste Atmung oder einen vertrauten Gegenstand in Reichweite. Wiederholt sich das über Wochen und leidet der Schlaf dauerhaft, lohnt sich ein Gespräch, in dem wir gezielt an der Stabilisierung arbeiten, statt zu hoffen, dass es von allein besser wird.

Online-Beratung

Ist Online-Beratung genauso wirksam wie ein Termin vor Ort?

Die Studienlage zur videobasierten Psychotherapie ist inzwischen recht konsistent: Mehrere Metaanalysen mit zum Teil über 40 eingeschlossenen Studien finden keine statistisch bedeutsamen Wirksamkeitsunterschiede zwischen Video- und Präsenzformat. Einschränkend gilt: Die meisten dieser Studien beziehen sich auf Psychotherapie, etwa bei Ängsten oder Depressionen, nicht auf systemische Beratung. Nach meiner Erfahrung gilt hier Vergleichbares – und die Chemie zwischen uns lässt sich auch online in den ersten 15 Minuten spüren.

Quelle: Bundesgesundheitsblatt (2023): „Videobasierte Psychotherapie“ – Übersichtsarbeit, bündelt die aktuellen Metaanalysen.→ Mehr zu den technischen Voraussetzungen der Online-Beratung
Ist Online-Paartherapie sinnvoll, wenn wir beruflich an unterschiedlichen Orten leben?

Ja, das ist sogar eine der Situationen, für die Online-Beratung besonders gut funktioniert. Leben Sie und Ihr Partner beruflich bedingt zeitweise getrennt, schalten wir uns trotzdem zu dritt im selben virtuellen Raum zusammen, statt die Paartherapie ganz auszusetzen. Ich moderiere dabei bewusst so, dass beide gleichermaßen gehört werden.

Wie diskret und datenschutzkonform ist eine Online-Beratung wirklich?

Sehr – das ist mir persönlich wichtig, nicht nur aus rechtlichen Gründen. Ich nutze für Online-Termine einen datenschutzkonformen Videodienst, keine Standard-Consumer-Software, die Daten an Dritte weiterreicht. Sie brauchen dafür keine Software zu installieren oder sich zu registrieren, was zusätzlich zu Ihrer Diskretion nach außen beiträgt. Und wie beim persönlichen Gespräch unterliege ich auch bei Online-Terminen der gesetzlichen Schweigepflicht nach § 203 StGB. Der einzige Unterschied zur Praxis vor Ort: Sie sollten selbst für einen ruhigen, ungestörten Raum bei sich zu Hause sorgen, in dem Sie frei sprechen können.

Kann ich Online-Beratung auch nutzen, wenn ich mich gerade in einer akuten Krise befinde?

Für akute Krisen im Sinne einer unmittelbaren Gefährdung ist Online-Beratung nicht der richtige Weg – dafür gibt es die Telefonseelsorge, den Krisendienst Oberbayern oder in akuter Gefahr den Notruf, alle rund um die Uhr erreichbar (siehe Hinweis-Kasten oben auf dieser Seite). Für alles, was akut, aber nicht lebensbedrohlich ist – eine plötzliche Eskalation in der Beziehung, ein belastendes Gespräch, das gerade erst stattgefunden hat – kann ein zeitnaher Online-Termin durchaus sinnvoll sein, gerade weil er ohne Anfahrt schnell stattfinden kann. Ich bin allerdings kein 24-Stunden-Kriseninterventionsdienst: Außerhalb vereinbarter Termine kann ich keine sofortige Erreichbarkeit garantieren.

Ihre Frage war nicht dabei?

Dieser Ratgeber wächst monatlich weiter. Bis dahin: Ein kurzes, kostenloses Ersttelefonat klärt die meisten offenen Fragen schneller als jede Website.

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