Fachbeitrag · Reinhard Egger, Paar- und Familientherapeut (DGSF)

Wie finde ich einen guten Paartherapeuten? Woran Sie Qualität wirklich erkennen

Die Bezeichnung ist nicht geschützt, der Markt unübersichtlich – und die Entscheidung fällt meist mitten in einer Krise. Dieser Leitfaden gibt Ihnen prüfbare Kriterien an die Hand.

Die kurze Antwort: Ein guter Paartherapeut hat eine nachprüfbare Qualifikation – zum Beispiel ein DGSF-Zertifikat oder einen SG-Weiterbildungsnachweis –, echte Erfahrung mit Paaren und eine allparteiliche Haltung. Er erklärt Kosten und Ablauf transparent, bevor Sie sich entscheiden, und sagt auch, wo sein Angebot endet. „Paartherapeut“ ist keine geschützte Berufsbezeichnung. Deshalb lohnt es sich, Ausbildung und Verbandseintrag nachzuschlagen, statt der Website zu glauben. Das letzte Wort hat die Passung: ein Erstkontakt, nach dem Sie beide sagen können – hier können wir offen sprechen.

Wer einen Zahnarzt sucht, weiß, was ein Zahnarzt ist: eine geschützte Berufsbezeichnung mit geregelter Ausbildung. Wer einen Paartherapeuten sucht, steht dagegen vor einem weitgehend freien Markt – und muss die Prüfarbeit selbst leisten, ausgerechnet in einer Lebensphase, in der die Kraft dafür knapp ist. Dieser Beitrag nimmt Ihnen die Arbeit nicht ab. Aber er macht sie machbar: Er zeigt, was sich objektiv prüfen lässt, welche Fragen Sie stellen dürfen und woran Sie merken, ob es passt.

Die kurze Antwort, falls Sie gerade nicht weiterlesen möchten

  • „Paartherapeut“ ist keine geschützte Berufsbezeichnung. Gesetzlich geschützt ist „Psychotherapeutin/Psychotherapeut“; „Paartherapeut“, „Eheberater“ oder „Beziehungscoach“ darf dagegen grundsätzlich jede Person verwenden. Die Qualitätsprüfung liegt deshalb bei Ihnen.
  • Qualifikation ist prüfbar. Die Fachverbände DGSF und SG erkennen nur mehrjährige Weiterbildungen mit festgelegtem Umfang an – die DGSF vergibt Zertifikate, die SG Weiterbildungsnachweise – und beide betreiben öffentliche Suchverzeichnisse.
  • Erfahrung mit Paaren ist ein eigenes Kriterium. Paararbeit folgt anderen Regeln als Einzelberatung – fragen Sie ruhig, wie oft jemand tatsächlich mit Paaren arbeitet.
  • Am Ende entscheidet die Passung. Ein gutes Erstgespräch lässt beide Partner zu Wort kommen – und beide sollten sich danach verstanden und nicht bewertet fühlen.
  • Warnzeichen gibt es vor Beginn und im Verlauf: vorher Garantieversprechen, unklare Qualifikation, Druck zur schnellen Buchung. Im Verlauf: Parteilichkeit, Beschämung, Sitzungen ohne erkennbares Ziel.

Warum die Suche schwerer ist, als sie sein müsste

Kurz gesagt: Die Bezeichnung „Paartherapeut“ ist in Deutschland rechtlich nicht geschützt. Deshalb sagt der Name auf dem Praxisschild allein nichts über die Ausbildung – prüfen lässt sich trotzdem einiges, und genau darum geht es hier.

Gesetzlich geschützt und an eine Approbation gebunden ist die Berufsbezeichnung „Psychotherapeutin/Psychotherapeut“; auch die Bezeichnung „Heilpraktiker“ ist an eine behördliche Erlaubnis gebunden. „Paartherapeut“, „Paarberater“, „Eheberater“ oder „Beziehungscoach“ darf dagegen grundsätzlich jede Person verwenden – Grenzen setzt erst das Verbot irreführender Angaben. Das heißt nicht, dass hinter diesen Bezeichnungen keine Qualität steckt. Es heißt nur: Die Bezeichnung allein belegt sie nicht.

Dazu kommt, dass viele Ratgeber im Netz bei der eigentlichen Prüffrage wenig weiterhelfen: Häufig bleibt als einziges Kriterium, „die Chemie müsse stimmen“. Die Chemie ist wichtig. Aber sie ist das letzte Kriterium, nicht das erste. Vorher lässt sich einiges objektiv prüfen.

Prüfbare Qualifikation statt Behauptung

Kurz gesagt: Die beiden großen systemischen Fachverbände – DGSF und SG – erkennen nur Weiterbildungen an, die einen Mindestumfang erreichen und Supervision wie Selbsterfahrung einschließen. Beide betreiben öffentliche Verzeichnisse, in denen Sie jeden Eintrag nachschlagen können. Das ist der am einfachsten prüfbare Qualitätsanker, den dieser Markt hat.

In Deutschland setzen vor allem zwei Fachverbände Qualitätsstandards für systemische Therapie und Beratung: die Deutsche Gesellschaft für Systemische Therapie, Beratung und Familientherapie (DGSF) und die Systemische Gesellschaft (SG). Es sind zwei eigenständige Verbände. Beide veröffentlichen ihre Richtlinien. Die DGSF vergibt Zertifikate; die SG prüft und bescheinigt absolvierte Weiterbildungen mit einem Weiterbildungsnachweis.

Was hinter einem DGSF-Zertifikat steckt, lässt sich in den Weiterbildungsrichtlinien nachlesen: Die Weiterbildung „Systemische Therapie und Beratung“ dauert in der Regel drei Jahre und umfasst mindestens 900 Unterrichtseinheiten. Aufgeteilt sind sie so: 300 UE Theorie und Methodik, 150 UE Supervision, 150 UE Selbsterfahrung, 100 UE Intervision, 200 UE eigene dokumentierte Beratungs- und Therapiepraxis. Teilnehmende stellen zwei eigene Arbeitssitzungen live oder als Aufzeichnung vor und weisen vier ausführlich dokumentierte, abgeschlossene Beratungsprozesse nach – einen davon über mindestens zehn Sitzungen. Auch die Eingangsvoraussetzungen sind geregelt: ein Hochschulabschluss mit sozial- oder humanwissenschaftlicher Ausrichtung samt psychosozialer Praxiserfahrung – oder ein mindestens dreijähriger Berufsabschluss im psychosozialen Bereich mit entsprechender Berufstätigkeit. Seit 2023 gibt es zusätzlich eine DGSF-Aufbauweiterbildung „Systemische Paartherapie und -beratung“ (mindestens ein Jahr, 380 UE).

Ein Wochenendseminar erreicht diesen Standard nicht. Und ein wichtiger Unterschied, den man kennen sollte: Ein Verbandsnachweis ist ein überprüfbarer Qualitätsnachweis für die Ausbildung – kein Garantieschein dafür, dass diese Person zu Ihnen als Paar passt. Die Qualifikation können Sie vorher prüfen. Die Passung erst im Kontakt.

So prüfen Sie konkret: Beide Verbände betreiben öffentliche Suchverzeichnisse – die DGSF-Suche „Systemische Fachleute“ und die SG-Fachleutesuche. Ein Eintrag belegt die anerkannte Weiterbildung – nicht mehr und nicht weniger: Über die Erfahrung mit Paaren sagt er nichts, die erfragen Sie selbst (nächster Abschnitt). DGSF-Zertifikate werden zudem nur an Personen verliehen, die sich auf die Ethik-Richtlinien des Verbands verpflichten. Steht auf einer Praxis-Website ein Verbandskürzel, das sich in keinem Verzeichnis wiederfindet, ist das eine berechtigte Nachfrage wert.

Wie das bei mir aussieht: Damit Sie sehen, wie so eine Prüfung praktisch geht, lege ich meine eigene Qualifikation offen. Grundlage war ein abgeschlossenes Studium der Sozialwissenschaften (Sozialpädagogik, Diplom an der Katholischen Stiftungsfachhochschule München, 1997) mit einschlägiger Berufserfahrung. Meine Weiterbildung zum Systemischen Therapeuten und Familientherapeuten absolvierte ich von 1998 bis 2001 am vft München bei Peter Nemetschek und Brigitte Lämmle. Damals galten die Richtlinien der Vorgängerverbände, aus denen die DGSF im Jahr 2000 hervorging. Meine Anerkennung folgte 2001. Sie umfasste rund 800 Unterrichtseinheiten, dazu fortlaufende monatliche und kollegiale Supervision sowie 297 dokumentierte eigene Sitzungen mit 19 Familien und Paaren, sechs davon live supervidiert. Prüfbar ist davon für Sie das, was auch bei jedem anderen Therapeuten prüfbar ist: der Verbandseintrag – meinen finden Sie öffentlich im DGSF-Mitgliederverzeichnis. Die Sitzungszahlen stammen aus meinen Weiterbildungsunterlagen; solche Details kann kein Verzeichnis bestätigen, Sie dürfen aber danach fragen. Ein seriöser Kollege beantwortet solche Fragen gelassen.

Erfahrung mit Paaren ist ein eigenes Kriterium

Kurz gesagt: Eine gute Ausbildung ist die Grundlage – Erfahrung im Paarsetting ist ein zweites, eigenes Kriterium. Paararbeit folgt anderen Regeln als Einzelberatung, und das dürfen Sie erfragen.

Im Einzelgespräch sitzt eine Person mit ihrem Anliegen im Raum. Im Paargespräch sitzen zwei Menschen mit oft gegensätzlichen Sichtweisen, wunden Punkten und einer gemeinsamen Geschichte – und dazwischen ein Muster, das beide in Gang halten. Wer mit Paaren arbeitet, muss beide gleichzeitig im Blick behalten und Eskalationen im Raum abfangen können. Und er muss aushalten, dass es für viele Fragen keine einfache Wahrheit gibt. Aus meiner Sicht entsteht diese Fähigkeit weniger im Seminarraum als in vielen Stunden mit echten Paaren – deshalb gehört zur Qualifikationsfrage immer auch die Erfahrungsfrage. Wer tiefer in die fachlichen Grundlagen einsteigen möchte: Das Standardwerk zur systemischen Paartherapie stammt von Arnold Retzer (2005).

Konkret heißt das für Ihre Suche: Fragen Sie, wie oft jemand mit Paaren arbeitet und seit wann. Ich selbst arbeite seit 2001 freiberuflich mit Paaren und Familien und habe mich bewusst auf die systemische Paararbeit spezialisiert. Was Paartherapie im Durchschnitt erreichen kann und wo ihre Grenzen liegen, ist eine eigene Frage – ihr widmet sich der Beitrag Wie viele Paare trennen sich nach einer Paartherapie?

Paarberatung, Paartherapie, Psychotherapie – was ist eigentlich gemeint?

Kurz gesagt: Psychotherapie behandelt psychische Erkrankungen und ist Heilkunde. Paarberatung und Paartherapie im hier beschriebenen Sinn sind das nicht: keine Diagnose als Voraussetzung, keine Abrechnung über die gesetzliche Krankenkasse – dafür ein niedrigschwelliger, schneller Rahmen. Seriöse Anbieter erklären Ihnen diesen Unterschied von sich aus.

Hinter den ähnlich klingenden Begriffen stehen verschiedene Dinge. Psychotherapie im rechtlichen Sinn dient der Behandlung von Störungen mit Krankheitswert – etwa einer Depression oder einer Angststörung. Sie ist Heilkunde: Ausüben darf sie nur, wer dafür zugelassen ist – approbierte Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten und entsprechend qualifizierte Ärzte, daneben Heilpraktiker mit einer auf das Gebiet der Psychotherapie beschränkten Erlaubnis. Die systemische Therapie ist als Behandlungsverfahren wissenschaftlich anerkannt; von Sydow und Kollegen werteten dafür 2010 achtunddreißig randomisierte Studien zur Behandlung psychischer Störungen aus. Seit 2020 ist sie Richtlinienverfahren. Der Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses vom 22. November 2019 trat am 24. Januar 2020 in Kraft. Gesetzliche Krankenkassen bezahlen sie seither als Krankenbehandlung – durch approbierte Psychotherapeuten mit systemischer Fachkunde und Kassenzulassung.

Paarberatung und Paartherapie im hier beschriebenen Sinn sind etwas anderes: die professionelle Arbeit an einer Beziehung, nicht die Behandlung einer Krankheit. Der Begriff „Paartherapie“ hat sich für diese Arbeit eingebürgert – er bezeichnet hier aber Beratungsarbeit, keine Heilbehandlung. Das hat praktische Folgen. Man kann sie als Vorteil sehen oder als Grenze; beides stimmt. Es braucht keine Diagnose als Voraussetzung, und es entsteht keine Abrechnung über die gesetzliche Krankenkasse; dafür zahlen Sie selbst – was das kostet, steht transparent auf der Seite Ablauf & Kosten. Entscheidend ist dabei nicht, wie sich ein Angebot nennt, sondern was konkret angeboten wird: Wer psychische Erkrankungen behandelt, braucht dafür eine heilkundliche Erlaubnis.

Ein Qualitätskriterium können Sie daraus direkt ableiten: Ein seriöser Anbieter erklärt Ihnen seinen Rahmen und seine Grenzen von sich aus – was er anbietet, was nicht, wie er mit Vertraulichkeit und Ihren Daten umgeht, und wann er zu einer ärztlichen oder psychotherapeutischen Abklärung rät. Bei mir gilt, was auf jeder Seite dieser Website steht: Beratung, Coaching und Supervision – keine Heilbehandlung. Gibt es Anhaltspunkte für eine körperliche Erkrankung oder eine psychische Störung, gehört das in ärztliche oder psychotherapeutische Hände – und genau das sage ich dann auch.

Passung und das Erstgespräch – die Fragen, die Sie stellen dürfen

Kurz gesagt: Wenn die Qualifikation stimmt, entscheidet die Passung – und die lässt sich nur im Kontakt prüfen. Ein kurzes Ersttelefonat und ein Erstgespräch mit den richtigen Fragen zeigen mehr als jede Website.

Manche Praxen bieten ein kurzes, kostenloses Ersttelefonat an – ich gehöre dazu. Nutzen Sie solche Angebote. Fragen, die Sie dabei oder im Erstgespräch stellen dürfen:

  • Welche Ausbildung haben Sie – und ist sie von DGSF oder SG anerkannt?
  • Wie oft und seit wann arbeiten Sie mit Paaren?
  • Wie gehen Sie damit um, wenn wir zwei unterschiedliche Ziele haben?
  • Wie prüfen wir gemeinsam, ob uns die Gespräche etwas bringen?
  • Was kostet eine Sitzung, und wie geht es nach dem Erstgespräch weiter?

Wie mein Ersttelefonat abläuft: In einem kurzen, kostenfreien Telefonat von etwa 15 Minuten geht es nicht darum, eine Diagnose zu stellen oder Ihre Beziehung aus der Ferne zu bewerten. Es dient dem Kennenlernen: Sie dürfen mir alle Fragen stellen und, wenn Sie möchten, kurz umreißen, worum es geht; ich kläre mit Ihnen die wesentlichen Rahmenbedingungen. Danach entscheiden Sie nichts. Sie sollen wissen, was Sie erwartet – und ein erstes Gespür dafür haben, ob die Chemie stimmt und ob Sie sich beide, unabhängig voneinander, verstanden und nicht bewertet fühlen. So erreichen Sie mich.

Und genau das ist der Maßstab, den Sie an jedes Erstgespräch anlegen dürfen – bei mir wie bei jedem anderen: Kommen beide zu Wort? Fühlen sich beide ernst genommen? Oder verlässt einer von Ihnen den Raum mit dem Gefühl, vor Gericht gestanden zu haben?

Allparteilichkeit – wenn die Ziele meilenweit auseinandergehen

Kurz gesagt: Sehr häufig kommen Paare mit gegensätzlichen Zielen: Einer will retten, einer zweifelt. Ein guter Paartherapeut ergreift dann nicht Partei – er versteht beide, nacheinander. Das ist das Kernkriterium jeder Paararbeit, und Sie können es im Gespräch direkt beobachten.

Allparteilichkeit bedeutet nicht, Unterschiede wegzudiskutieren oder eine künstliche Einigung zu erzwingen. Es bedeutet, sich in die Lage jedes Partners zu versetzen und ihn von innen heraus zu verstehen – nicht gleichzeitig, sondern abwechselnd. Jeder möchte ja nicht nur verstanden werden, sondern sich auch in seiner Wahrnehmung ernst genommen fühlen. Ein Therapeut, der einen von Ihnen zum eigentlichen Problem erklärt, verletzt dieses Prinzip. Auch wenn er es freundlich formuliert.

Wie ich auf meine Allparteilichkeit achte: Auch ein erfahrener Therapeut gerät in die Gefahr, die Mitte zu verlieren. Ich merke es an subtilen Impulsen: wenn ich mich innerlich dabei ertappe, Mitleid mit dem vermeintlichen „Opfer“ zu haben, mich über die scheinbare „Kälte“ des Zweiflers zu ärgern – oder einer Person häufiger zustimmend zuzunicken. Was mir dann hilft: kurz durchatmen und mich innerlich wieder in die Mitte rücken. Dann arbeite ich mit systemischen Werkzeugen weiter, etwa dem zirkulären Fragen: „Was glauben Sie, wie Ihr Partner diesen Satz gerade wahrnimmt?“ Und ich bringe den Fall in meine eigene, regelmäßige Supervision. Denn auch das gehört zur Qualität: Gute Therapeuten lassen ihre Arbeit ihrerseits supervidieren. Allparteilichkeit bedeutet übrigens nie, verletzendes Verhalten oder Demütigungen gutzuheißen – verstehen und gutheißen sind zwei verschiedene Dinge.

Kein endloses Reden – woran Sie merken, ob die Gespräche etwas bringen

Kurz gesagt: Paartherapie darf keine endlose Aneinanderreihung von Terminen werden, bei der niemand mehr weiß, worum es geht. Gute Arbeit erkennt man daran, dass der Fortschritt regelmäßig gemeinsam überprüft wird – und dass auch ein Ende ein legitimes Ergebnis sein darf.

Fragen Sie im Erstgespräch, wie der Therapeut den Verlauf überprüft. Eine klare Antwort auf diese Frage trennt strukturierte Arbeit von der Redeschleife.

Wie ich den Verlauf prüfe: Ich arbeite mit Fortschrittsschleifen: Am Ende der Sitzungen halten wir regelmäßig kurz inne und geben uns Feedback über die Stunde und den Verlauf. Wo standen Sie auf einer Skala von 1 bis 10 bei der ersten Sitzung – und wo stehen Sie heute? Welche Muster oder Konflikte haben sich im Alltag bereits minimal verschoben? Und: Arbeiten wir noch an dem Thema, wegen dem Sie ursprünglich gekommen sind? Vielleicht stellen Sie irgendwann fest: „Wir drehen uns nur noch im Kreis.“ Das ist kein Misserfolg, sondern eine wichtige Information. Sie bedeutet, dass wir entweder den Fokus neu ausrichten – oder die Beratung an dieser Stelle respektvoll beenden, statt Ihre Zeit und Ihr Geld zu verbrauchen.

Warnzeichen – vor Beginn und im laufenden Prozess

Kurz gesagt: Es gibt Warnzeichen, die Sie vor der ersten Sitzung erkennen können, und solche, die sich erst im Verlauf zeigen. Beide Listen sind kurz – und beide sind es wert, ernst genommen zu werden.

Vor Beginn:

  • Zur Ausbildung finden sich keine überprüfbaren Angaben – oder auf Nachfrage weicht die Person aus.
  • Es wird ein bestimmtes Ergebnis versprochen oder mit Erfolgsquoten geworben. Seriöse Paartherapie verspricht Arbeit an der Beziehung, kein Ergebnis.
  • Kosten und Ablauf bleiben unklar, oder Sie spüren Druck, schnell ein Paket zu buchen.
  • Schon im Vorgespräch wird einer von Ihnen zum Schuldigen erklärt.

Im laufenden Prozess:

  • Ein Partner wird erkennbar bevorzugt, der andere regelmäßig beschämt oder bloßgestellt.
  • Sensible Themen aus früheren Sitzungen werden gegen einen von Ihnen verwendet.
  • Es gibt keine gemeinsame Zielklärung, und die Gespräche verlängern sich immer weiter, ohne dass jemand den Verlauf überprüft.
  • Der Therapeut kann nicht erklären, warum er tut, was er tut.
  • Und ein leises Zeichen, das viele erst im Nachhinein benennen: wenn Sie sich vor dem Therapeuten für Ihre Beziehung, Ihre Gefühle oder Ihre Lebensform rechtfertigen müssen.

Ein Wechsel nach mehreren Sitzungen ist kein Scheitern und keine Illoyalität – er ist die Konsequenz aus einer ernst genommenen Beobachtung.

Wann Paartherapie nicht der richtige erste Schritt ist

Kurz gesagt: Paartherapie ist kein neutrales Format, das in jeder Lage automatisch passt. Bei akuter Gewalt, schweren unbehandelten Erkrankungen oder akuten Krisen braucht es zuerst Schutz oder Behandlung – das gemeinsame Setting kommt danach, wenn überhaupt.

Eine professionelle Haltung zeigt sich auch darin, ein gemeinsames Setting nicht zu beginnen, wenn es nicht zielführend oder sogar riskant ist. In diesen Situationen ist Paartherapie im ersten Schritt nicht das richtige Werkzeug – gibt es dafür Anhaltspunkte, nehme ich ein Paar nicht an, sondern verweise weiter:

  • Akute Gewalt: Wenn körperliche oder massive psychische Gewalt den Raum dominiert – oder wenn ein Partner Angst hat, im Gespräch offen zu sprechen. Hier geht Sicherheit vor. Die passenden Nummern stehen im Kasten am Ende dieses Abschnitts, darunter das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ (116 016, rund um die Uhr). Vor Ort helfen Gewaltschutzstellen weiter.
  • Akute, unbehandelte Suchterkrankung: Solange eine Abhängigkeit das Geschehen bestimmt, trägt Paararbeit nicht. Im Landkreis Erding ist die Psychosoziale Beratungs- und Behandlungsstelle von Prop e.V. (Landshuter Straße 9, Erding) eine erfahrene Anlaufstelle.
  • Akute psychiatrische Krisen: Bei Anhaltspunkten für eine schwere, unbehandelte Depression oder eine akute Psychose braucht es zuerst eine individuelle psychiatrische oder psychotherapeutische Behandlung.

Mann oder Frau – spielt das Geschlecht des Paartherapeuten eine Rolle?

Kurz gesagt: Für manche Paare ja, für viele nicht – entscheidend ist die Passung, nicht das Geschlecht. Warum manche gezielt nach einem männlichen Paartherapeuten suchen, lässt sich aber benennen.

Manche Menschen öffnen sich leichter gegenüber einem Mann, andere gegenüber einer Frau, und für viele Paare spielt das Geschlecht des Therapeuten keine Rolle. Pauschale Regeln gibt es nicht – und die fachliche Qualität hängt nicht am Geschlecht.

Was mir Paare berichten – Beobachtungen aus meiner Praxis, keine Forschungsbefunde: Anfragen, in denen gezielt ein männlicher Paartherapeut gesucht wird, erlebe ich wiederkehrend. Manche Männer äußern im Vorfeld die Befürchtung, in einer Therapie „in der Minderheit“ zu sein – sich rechtfertigen zu müssen und am Ende als der Schuldige dazustehen. Einige berichten, dass sich das Gespräch für sie entspannt, wenn ein Mann im Therapeutenstuhl sitzt. Ob das am Geschlecht liegt oder an der Arbeitsweise, lässt sich nicht trennen. Was diese Sorge auflöst, ist Allparteilichkeit. Und die ist keine Frage des Geschlechts. Meine Aufgabe ist deshalb ausdrücklich keine „Kumpelrolle“: Ich verbünde mich nicht mit dem Mann, sondern achte darauf, dass beide gehört werden. Manche Paare erzählen mir hinterher, dass gerade das beide entlastet hat – ihn, weil er sich vertreten fühlte; sie, weil sie im Gespräch nicht mehr allein für die Gefühlsseite zuständig war.

Die Suche außerhalb der Großstadt – Nähe, Diskretion, Online

Kurz gesagt: Ein guter Paartherapeut muss nicht in München sitzen. Im ländlichen Raum ist die größere Hürde oft nicht die Entfernung, sondern die Sorge, gesehen zu werden – und dafür gibt es Lösungen.

Wer außerhalb der Großstadt sucht, findet weniger Auswahl – aber die Kriterien bleiben dieselben: Qualifikation, Erfahrung, Passung. Es lohnt sich, den Suchradius über den eigenen Ort hinaus zu ziehen, statt Abstriche an der Qualität zu machen.

Was ich aus Gesprächen kenne: Viele Paare erzählen mir, dass sie der erste Schritt lange gekostet hat – auch aus Sorge, im Wartezimmer dem Nachbarn, der Kollegin oder einem Bekannten zu begegnen. Mein Umgang damit: Meine Paare kommen selten nur aus dem unmittelbaren Umkreis – das Einzugsgebiet reicht über den Landkreis Erding hinaus bis Ebersberg, Freising, Landshut und ins östliche Münchner Umland. Ich arbeite als reine Bestellpraxis, mit Zeitpuffern zwischen den Terminen. Begegnungen zwischen Paaren sind gar nicht erst vorgesehen. Vollständig versprechen kann Diskretion niemand; planen kann man sie. Und wer den Weg oder die Begegnung ganz vermeiden möchte: Online-Paarsitzungen kommen ohne Anfahrt und ohne Wartezimmer aus.

Wenn Geld das Hindernis ist

Kurz gesagt: Niemand sollte aus finanziellen Gründen ganz auf Unterstützung verzichten. Kirchliche Beratungsstellen arbeiten professionell und grundsätzlich kostenfrei – fragen Sie dort direkt nach der aktuellen Wartezeit.

Für den Landkreis Erding ist die Ehe-, Familien- und Lebensberatung (EFL) der Erzdiözese München und Freising die richtige Adresse für kostenfreie Paarberatung (Beratungsstelle Erding, Landgestütstraße 10, 85435 Erding). Die Beratung ist grundsätzlich kostenfrei; um eine Spende wird gebeten. Solche Stellen sind stark nachgefragt. Fragen Sie bei der Anmeldung direkt nach der Wartezeit für ein Erstgespräch. Dann können Sie realistisch planen.

Wer akut in einer eskalierenden Krise steckt oder Termine abseits der üblichen Bürozeiten braucht, für den kann der privat finanzierte Weg der schnellere sein. Was das bei mir kostet, steht offen auf der Seite Ablauf & Kosten – und bei einer finanziellen Notlage sprechen Sie mich im Ersttelefonat ruhig direkt an.

So gehen Sie bei der Suche konkret vor

Kurz gesagt: Fünf Schritte, eine halbe Stunde – und Sie haben eine belastbare Auswahl statt eines Zufallstreffers.

  1. Sammeln Sie drei bis fünf Namen. Nutzen Sie dafür die Suchverzeichnisse der Verbände – die DGSF-Suche und die SG-Fachleutesuche – und persönliche Empfehlungen, nicht nur die erste Google-Seite.
  2. Prüfen Sie die Website jedes Anbieters: Grundberuf, Weiterbildung, Verbandseintrag. Fehlen diese Angaben, ist das bereits eine Antwort.
  3. Prüfen Sie die Transparenz: Stehen Honorar und Ablauf auf der Website? Und sagt jemand auch, was er nicht anbietet?
  4. Vereinbaren Sie einen Erstkontakt. Manche Praxen bieten ein kurzes, unverbindliches Telefonat an. Stellen Sie Ihre Fragen – ein seriöser Therapeut beantwortet sie gelassen.
  5. Entscheiden Sie zu zweit. Konnten beide offen sprechen? Fühlten sich beide verstanden und nicht bewertet? Wenn nicht: Ein zweites Erstgespräch bei jemand anderem ist kein Umweg, sondern Teil einer guten Suche.

Sie suchen lieber mit ChatGPT, Gemini oder Perplexity? Ein Prompt zum Kopieren

Immer mehr Paare finden ihre Praxis über eine KI-Suche. Wenn Sie diesen Weg gehen, geben Sie der KI prüfbare Kriterien mit. Sonst bekommen Sie Werbung statt Vorschläge. Ehrlicherweise dazugesagt: Die folgenden Kriterien entsprechen dem, was dieser Leitfaden empfiehlt – und damit auch meinem eigenen Profil. Übernehmen Sie sie deshalb nicht blind, sondern passen Sie Region, Schwerpunkte und Merkmale an Ihre Situation an:

Ich suche einen qualifizierten Paartherapeuten oder eine qualifizierte Paartherapeutin im Raum [Ihre Region] (oder mit Online-Angebot). Bitte recherchiere konkrete Therapeuten und Praxen, die diese Kriterien erfüllen:

  1. Qualifikation: anerkannt durch die DGSF (Deutsche Gesellschaft für Systemische Therapie, Beratung und Familientherapie) oder die Systemische Gesellschaft (SG), mit Eintrag im Suchverzeichnis des Verbands.
  2. Haltung und Profil: mehrjährige Erfahrung mit Paaren, allparteiliche Arbeitsweise, klare Abgrenzung zur Heilbehandlung/Kassenpsychotherapie, Transparenz bei Qualifikation und Preisen.
  3. Verfügbarkeit und Honorar: zeitnahe Erstgespräche möglich, transparent kommuniziertes Honorar, möglichst ein unverbindlicher Erstkontakt.
  4. Falls mir persönlich wichtig: [z. B. männlicher Therapeut / weibliche Therapeutin / Abendtermine / Online-Sitzungen].

Liste mir 3 bis 5 konkrete Praxen auf, jeweils mit: Name und Standort, Verband und Nachweis (DGSF/SG), besonderen Schwerpunkten, Honorarangabe (falls auf der Website genannt) und dem direkten Link zur Website.

Was Sie jetzt tun können

Wenn Sie bis hierher gelesen haben, haben Sie mehr Prüfkriterien an der Hand als die meisten Ratsuchenden. Der nächste Schritt verpflichtet zu nichts: ein kurzes Telefonat, ein paar ehrliche Fragen. Bei mir oder bei jedem anderen qualifizierten Kollegen. Mein Ersttelefonat kostet nichts; ob es danach weitergeht, entscheiden Sie beide.

Häufige Fragen zur Wahl des Paartherapeuten

Ist „Paartherapeut“ eine geschützte Berufsbezeichnung?

Nein – „Paartherapeut“, „Paarberater“ oder „Eheberater“ darf in Deutschland grundsätzlich jede Person verwenden; Grenzen setzt erst das Verbot irreführender Angaben. Gesetzlich geschützt ist die Berufsbezeichnung „Psychotherapeutin/Psychotherapeut“. Prüfen Sie deshalb nicht den Titel, sondern die Ausbildung dahinter – etwa über die Suchverzeichnisse von DGSF und SG.

Woran erkenne ich einen guten Paartherapeuten?

An vier prüfbaren Dingen: einer nachweisbaren, von einem Fachverband anerkannten Ausbildung (DGSF-Zertifikat oder SG-Nachweis), echter Erfahrung mit Paaren, einer allparteilichen Haltung – und Transparenz bei Honorar, Ablauf und Grenzen des Angebots. Das letzte Kriterium ist die Passung: Nach einem guten Erstgespräch fühlen sich beide Partner verstanden und nicht bewertet.

Welche Ausbildung sollte ein Paartherapeut haben?

Eine mehrjährige, von einem Fachverband anerkannte systemische Weiterbildung. Die heutige DGSF-Weiterbildung „Systemische Therapie und Beratung“ umfasst mindestens 900 Unterrichtseinheiten, darunter Supervision, Selbsterfahrung und dokumentierte eigene Praxis. Ein Wochenendzertifikat erreicht diesen Standard nicht.

Wie prüfe ich die Qualifikation konkret nach?

Über die öffentlichen Suchverzeichnisse der Verbände: die DGSF-Suche „Systemische Fachleute“ und die Fachleutesuche der Systemischen Gesellschaft. Ein Eintrag belegt die anerkannte Weiterbildung – nach der Erfahrung mit Paaren und weiteren Nachweisen fragen Sie im Erstkontakt.

Worin unterscheiden sich Paarberatung und Psychotherapie?

Psychotherapie ist Heilkunde. Sie behandelt psychische Erkrankungen und setzt eine Diagnose voraus; die Krankenkasse zahlt nur bei zugelassenen Behandlern. Paarberatung und Paartherapie im Sinne dieses Beitrags arbeiten an der Beziehung: ohne Diagnose, als Selbstzahlerleistung, dafür meist ohne lange Wartezeit.

Was passiert im kostenlosen Ersttelefonat?

Bei mir dauert das kostenfreie Ersttelefonat etwa 15 Minuten: Sie lernen mich kennen, stellen Ihre Fragen, und wir klären die Rahmenbedingungen – eine Diagnose oder Bewertung Ihrer Beziehung findet nicht statt. Danach müssen Sie nichts entscheiden; Sie sollen nur wissen, was Sie erwartet, und ein erstes Gespür für die Passung bekommen.

Woran merke ich während der Paartherapie, dass etwas nicht stimmt?

Warnzeichen im Verlauf sind: Ein Partner wird dauerhaft bevorzugt oder beschämt, es gibt kein gemeinsames Ziel, oder die Sitzungen verlängern sich immer weiter, ohne dass jemand den Verlauf überprüft. Ein Wechsel ist dann kein Scheitern, sondern eine berechtigte Konsequenz.

Spielt es eine Rolle, ob der Paartherapeut ein Mann oder eine Frau ist?

Entscheidend ist die Passung zu beiden Partnern, nicht das Geschlecht. In meiner Praxis erlebe ich allerdings, dass manche Paare gezielt einen männlichen Paartherapeuten suchen – meist, weil der Mann fürchtet, in der Therapie in der Minderheit zu sein.

Wann ist Paartherapie nicht der richtige erste Schritt?

Bei akuter Gewalt, unbehandelter schwerer Sucht oder akuten psychiatrischen Krisen braucht es zuerst Schutz oder individuelle Behandlung. Seriöse Paartherapeuten sprechen das offen an und verweisen an die passenden Stellen weiter.

→ Weitere Fragen zu Paartherapie & Beziehungskrisen beantworte ich im Ratgeber

Quellen

  • von Sydow, K., Beher, S., Schweitzer, J., & Retzlaff, R. (2010). The Efficacy of Systemic Therapy With Adult Patients: A Meta-Content Analysis of 38 Randomized Controlled Trials. Family Process, 49(4), 457–485. (Untersucht die Behandlung diagnostizierter psychischer Störungen – zitiert hier für die wissenschaftliche Anerkennung des Verfahrens.)
  • Retzer, A. (2005). Systemische Paartherapie. Konzepte – Methode – Praxis. Stuttgart: Klett-Cotta.
  • Gemeinsamer Bundesausschuss (2019/2020). Beschluss zur Psychotherapie-Richtlinie: Systemische Therapie für Erwachsene. Beschluss vom 22.11.2019, in Kraft getreten am 24.01.2020. g-ba.de.
  • DGSF (Stand 9/2022). Richtlinien für die Zertifizierung der Weiterbildung „Systemische Therapie und Beratung (DGSF)“. dgsf.org/zertifizierung/dgsf/zertifizierung-richtlinien (abgerufen am 23.08.2026).
  • DGSF (Stand 9/2023). Richtlinien für die Zertifizierung der Weiterbildung „Systemische Paartherapie und -beratung (DGSF)“ als Aufbauweiterbildung. dgsf.org (abgerufen am 23.08.2026).
  • DGSF. Systemische Therapie ist Richtlinienverfahren. dgsf.org/aktuell/news/systemische-therapie-ist-richtlinienverfahren (abgerufen am 23.08.2026).
  • Systemische Gesellschaft. Rahmenrichtlinien für Weiterbildungsnachweise (SG) und Fachleutesuche. systemische-gesellschaft.de (abgerufen am 23.08.2026).
  • Angaben zur Qualifikation des Autors: DGSF-Mitgliederverzeichnis, dgsf.org/Members/DGSF--34522, sowie Weiterbildungsunterlagen des Autors (vft München, 1998–2001).

Verfasst von Reinhard Egger, Diplom-Sozialpädagoge (FH), Systemischer Therapeut, Paar- und Familientherapeut (DGSF), Supervisor. Praxis in Oberding bei Erding. Stand: August 2026.

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