Reinhard Egger, Paar- und Familientherapeut (DGSF)
Fachbeiträge
Ausführliche Beiträge zu Fragen, die sich in kurzen Antworten nicht ehrlich beantworten lassen.
Manche Fragen tauchen in meiner Praxis so oft auf, dass eine kurze Antwort ihnen nicht gerecht wird. „Wie oft klappt das denn?“ ist so eine. In meinem Ratgeber beantworte ich sie in wenigen Sätzen – ehrlich, aber unvollständig. Denn hinter dieser Frage steht fast immer eine zweite, die schwerer wiegt: Wie viel Einfluss habe ich selbst darauf?
Für solche Fragen schreibe ich ausführliche Beiträge. Sie sind länger, als man im Netz gewohnt ist, und das ist Absicht. Wer nachts wach liegt und nach einer Zahl sucht, ist mit einer schnellen Beruhigung nicht geholfen. Er braucht eine Antwort, die auch am nächsten Morgen noch trägt – einschließlich der Stellen, an denen sie unbequem ist.
8. August 2026 · Lesezeit rund 12 Minuten
Nähe und Distanz: Warum Gegensätze in der Partnerschaft kein Problem sein müssen
Die Frage: Eine Person will mehr Nähe, die andere mehr Freiraum – spricht das gegen die Beziehung?
Für wen: Für Paare, die immer wieder denselben Abend erleben: reden wollen, Ruhe wollen, verletzt ins Bett gehen. Und für alle, die sich fragen, ob ihre Unterschiedlichkeit ein Warnsignal ist.
Was am Ende dasteht: Das häufigste Muster der Paarberatung, erklärt von Riemanns Grundstrebungen bis zur Forschung über Fordern und Rückzug – mit dem Ebenenwechsel von der Angst zum Bedürfnis, einem eigenen Bild für das Aushalten von Unterschieden und der bewussten Provokation, dass niemand der Bedürfnisbefriediger des anderen ist. Dazu die ehrliche Grenze: Wo aus dem Unterschied ein eskalierter Kreislauf geworden ist, braucht es in der Regel Unterstützung.
Nähe und Distanz lesen2. August 2026 · Lesezeit rund 20 Minuten
Wie viele Paare trennen sich nach einer Paartherapie?
Die Frage: Lohnt sich der Weg überhaupt noch – und was sagen die Zahlen wirklich?
Für wen: Für Paare, die vor der Entscheidung stehen, ob sie sich Hilfe holen. Und für alle, denen die „77 Prozent Erfolgsquote“ begegnet sind, die auf zahllosen Praxisseiten steht.
Was am Ende dasteht: In der methodisch besten Langzeitstudie waren fünf Jahre nach der Therapie drei von vier schwer belasteten Paaren noch zusammen – und ein Viertel hatte sich getrennt. Der Beitrag ordnet beide Zahlen ein, verfolgt die verbreitete Erfolgsquote bis zu ihrer Ursprungsquelle zurück und zeigt, was sie dort tatsächlich bedeutet. Danach geht es um das, worauf Sie selbst Einfluss haben: die Arbeitsbeziehung zu dritt, den Zeitpunkt, den gemeinsamen Auftrag. Wer sich trennt, findet einen eigenen Abschnitt – eine Trennung ist kein gescheiterter Verlauf.
Trennungsquoten lesen2. August 2026 · Lesezeit rund 15 Minuten
Systemische Haltung: Was ich 2002 aufgeschrieben habe – und was davon heute noch gilt
Die Frage: Was genau tut ein systemischer Therapeut eigentlich – und woran erkennt man es als Klient?
Für wen: Für alle, die vor einem Erstgespräch wissen wollen, worauf sie sich einlassen. Und für Kolleginnen und Kollegen, die den Begriff im Alltag benutzen und ihn einmal von innen sehen möchten.
Was am Ende dasteht: Im April 2002 ist im Diakonie-Report ein Fachartikel von mir erschienen, der acht innere Haltungen aus meiner Weiterbildung beschreibt – Allparteilichkeit, Neugier, der kleine Auftrag, das störende Verhalten als kompetenter Lösungsversuch. Nach 24 Jahren habe ich ihn wiedergelesen, alle acht Punkte im Wortlaut abgedruckt und daneben geprüft, was davon heute noch trägt. Vier Dinge sind anders geworden: das Setting, das Methodenrepertoire, die Forschungslage – und die Vorsicht beim Schreiben, weil im Internet alle mitlesen.
Die acht Haltungen lesenWie diese Beiträge entstehen
Über Paartherapie kursieren im Netz viele Zahlen, die niemand mehr zurückverfolgt. Sie werden von Praxisseite zu Praxisseite weitergereicht, bis sie wie gesichertes Wissen aussehen. Deshalb halte ich mich beim Schreiben an vier Regeln:
- Jede Zahl wird gegen die Ursprungsstudie geprüft, nicht gegen den Artikel, der sie zitiert. Wo eine Angabe nur als Zitat eines Zitats auffindbar ist, steht das ausdrücklich dabei.
- Was ungeklärt ist, bleibt ungeklärt. Die Forschung ist an vielen Stellen dünner, als es die Ratgeberliteratur nahelegt. Diese Stellen zu übergehen wäre bequem und unredlich.
- Erfahrung wird als Erfahrung gekennzeichnet. Wenn ich aus über zwanzig Jahren Praxis etwas berichte, wofür ich keine Studie kenne, sage ich das dazu. Eine eigene Erfolgsquote werden Sie hier nicht finden – ich erhebe keine, und eine geschätzte wäre genau das, was ich bei anderen kritisiere.
- Jeder Beitrag trägt ein Datum. Wenn ich etwas nachtrage oder korrigiere, wird das Datum aktualisiert und die Änderung benannt.
Fallbeispiele stammen nie aus laufenden Beratungen. Sie sind so weit verändert und verdichtet, dass niemand darin wiederzuerkennen ist – die Schweigepflicht wiegt schwerer als das gute Beispiel.
Woran ich gerade arbeite
Die nächsten Beiträge sind angefangen. Sie entstehen aus Fragen, die mir im Erstgespräch am häufigsten gestellt werden:
- Wann ist es zu spät für eine Paartherapie? Was Paare als „zu spät“ erleben, und was die Forschung über den Zeitpunkt tatsächlich weiß.
- Was bespricht man in einer Supervision? Ein realistischer Blick in eine Sitzung – für Teams und Leitungen, die noch nie eine hatten.
- Wer darf Supervision anbieten? Der Begriff ist nicht geschützt. Woran Sie Qualifikation trotzdem erkennen.
- Eheberatung, Paarberatung, Paartherapie – wo liegt der Unterschied? Drei Begriffe, die im Alltag durcheinandergehen, mit sehr unterschiedlichen Voraussetzungen dahinter.
Kürzere Antworten auf häufige Fragen finden Sie in meinem Ratgeber, Erklärungen zu Fachbegriffen im Methoden-Glossar.