Ratgeber · Fragen aus der Praxis · Oberding (Erding)

Antworten auf Fragen, die sich viele erst am Telefon trauen zu stellen

Aus über 20 Jahren Praxis in Paartherapie, Familientherapie, Einzelberatung, Supervision, traumasensibler Begleitung und Online-Beratung. Faktengeprüft, ohne Fachchinesisch – und ohne dass Sie sich vorher erklären müssen.

Grundsatzfragen

Woran merke ich, dass ich professionelle Unterstützung brauche und nicht einfach „durchhalten" sollte?

Die meisten Menschen, die bei mir in der Praxis in Oberding anrufen, fragen sich das schon seit Wochen oder Monaten, bevor sie tatsächlich den Hörer in die Hand nehmen. Ein einzelnes, eindeutiges Warnsignal gibt es selten. Was ich in der Praxis öfter sehe: Sie merken, dass eine Situation sich nicht mehr von selbst löst – im Gegenteil, sie zieht sich hin oder wiederholt sich immer wieder in ähnlicher Form. Ein weiteres Zeichen: Ihre bisherigen Lösungsversuche greifen nicht mehr, oder Menschen in Ihrem Umfeld haben Ihnen schon gesagt, dass Sie sich verändert haben. Sie müssen dafür nicht „krank" sein und keine Diagnose mitbringen. Ein kurzes, kostenloses Ersttelefonat reicht oft schon, um gemeinsam einzuschätzen, ob und wie ich Ihnen helfen kann.

Was ist der Unterschied zwischen Beratung, Coaching und Therapie?

Eine Psychotherapie behandelt psychische Erkrankungen mit Krankheitswert und wird über die Krankenkasse abgerechnet. Coaching ist meist auf einen einzelnen Bereich begrenzt und zielorientiert. Meine systemische Beratung liegt bewusst dazwischen – für Menschen in einer akuten Lebenskrise, unabhängig davon, ob sie sich gesund oder überfordert erleben.

→ Ausführlicher in den FAQ zu Einzelberatung & Coaching
Was passiert beim ersten Gespräch – und was, wenn ich gar nicht weiß, was ich sagen soll?

Sie müssen sich auf das erste Gespräch nicht vorbereiten – diese Sorge hält viele Menschen vom Anrufen ab, deshalb nehme ich Ihnen das bewusst ab. Ich übernehme die Führung, unter anderem mit einem kurzen Genogramm und der sogenannten Wunderfrage. Es geht in den ersten Minuten vor allem um Orientierung und Sicherheit, nicht um eine perfekte Schilderung Ihres Anliegens.

→ Der komplette Ablauf der ersten Sitzung

Paartherapie & Beziehungskrisen

Warum eskaliert bei uns jeder Streit sofort, selbst wegen Kleinigkeiten?

Meistens hat das wenig mit der Kleinigkeit zu tun, über die gerade gestritten wird. Der Paarforscher John Gottman hat in jahrzehntelangen Beobachtungsstudien vier Muster identifiziert, die Eskalationen deutlich verstärken können: Kritik statt konkreter Bitte, Verachtung, Rechtfertigung und Rückzug („Mauern"). Ist eines dieser Muster erst einmal eingespielt, kann schon eine kleine Reibung reichen, um die ganze Dynamik hochzufahren – nicht weil die Beziehung kaputt ist, sondern weil sich ein Kreislauf verselbstständigt hat. In der Paartherapie schauen wir uns genau diesen Kreislauf an: Wer reagiert wie auf wen, und an welcher Stelle könnten Sie beide aussteigen, bevor es eskaliert. Das lässt sich lernen, auch wenn es sich gerade unmöglich anfühlt.

Quelle: John Gottman, „Four Horsemen"-Modell (etabliertes Konzept der Paarforschung).
Woran erkenne ich, ob unsere Beziehung noch zu retten ist?

Eine einfache Checkliste dafür gibt es nicht, so gerne ich sie Ihnen geben würde. Was ich in der Praxis öfter beobachte: Beziehungen, in denen trotz allem beide Seiten noch den Wunsch haben, dass es besser wird, haben fast immer eine Chance – selbst wenn sich das im Moment nicht so anfühlt. Schwieriger wird es, wenn eine Seite innerlich bereits abgeschlossen hat. Aber selbst das lässt sich in einem Erstgespräch meist herausfinden, ohne dass Sie es vorher für sich klären müssten. Ich arbeite dabei bewusst allparteilich: Es geht nicht darum, dass ich Ihnen sage, ob Sie bleiben oder gehen sollen, sondern darum, dass Sie beide wieder klarer sehen, woran Sie wirklich sind.

Ist es normal, dass man sich in einer langen Beziehung auseinanderlebt?

Ja, das ist eine der häufigsten Erfahrungen, die Paare nach vielen gemeinsamen Jahren beschreiben – und nein, das heißt nicht automatisch, dass etwas falsch gemacht wurde. Beziehungen verändern sich zwangsläufig, wenn sich beide Menschen darin weiterentwickeln: beruflich, persönlich, manchmal durch Kinder oder durch eine Krankheit. Problematisch wird es meist erst, wenn aus dem Auseinanderleben ein dauerhaftes Nebeneinanderherleben wird, ohne dass darüber gesprochen wird. Die gute Nachricht: Nähe lässt sich wiederaufbauen, oft schneller, als Paare denken, sobald beide bereit sind, das Schweigen zu unterbrechen.

Familientherapie & Familienkonflikte

Warum wiederholen sich in Familien oft dieselben Muster über Generationen hinweg?

Familien sind Systeme, und Systeme geben Muster weiter, oft ohne dass es jemand bewusst so entscheidet. Mein Lehrer Peter Nemetschek hat mir dafür ein Bild mitgegeben, das ich bis heute in der Praxis nutze: das Mobile-Prinzip. Bewegt sich ein Teil der Familie, bewegen sich automatisch alle anderen mit – deshalb wiederholen sich Konfliktlinien oft über Generationen, weil das ganze Gefüge sie mitträgt, nicht nur eine einzelne Person. In der Familientherapie arbeite ich oft mit einem kurzen Genogramm, um genau diese Muster gemeinsam sichtbar zu machen. Das ist keine Schuldzuweisung an die Großelterngeneration, sondern ein Werkzeug, um zu verstehen, was sich verändern lässt, sobald es einmal erkannt ist.

Wie setze ich Grenzen bei meinen Kindern oder meinen eigenen Eltern, ohne dass es noch schlimmer wird?

Grenzen setzen bedeutet fast nie, lauter zu werden oder mehr Regeln aufzustellen – meistens hilft eher das Gegenteil: klarer und ruhiger zu werden, dafür aber verlässlich. Bei Kindern gilt: Eine Grenze, die Sie konsequent halten, wirkt stärker als zehn Ankündigungen, die Sie dann doch nicht durchziehen. Bei den eigenen Eltern ist es oft schwieriger, weil alte Rollen wieder hochkommen, sobald man selbst wieder „das Kind" ist. Hier hilft es häufig, sich vorher zu überlegen, welchen einen Satz Sie wirklich sagen wollen, und diesen ruhig zu wiederholen, statt sich in eine Diskussion ziehen zu lassen. In der Beratung erarbeiten wir das konkret für Ihre Situation – pauschale Rezepte funktionieren hier selten.

Ist es normal, sich als Mutter oder Vater manchmal wie ein Versager anzufühlen?

Ja, und Sie sind damit nicht annähernd allein. Internationale Studien zum sogenannten Elternburnout gehen von einer Häufigkeit von grob 5 Prozent in der europäischen Bevölkerung aus, mit erheblichen Unterschieden je nach Land und Belastungssituation. Das Gefühl, zu versagen, ist dabei meistens ein Zeichen von Erschöpfung, nicht von tatsächlichem Versagen. In der Familienberatung schauen wir gemeinsam darauf, wo die eigentliche Überlastung herkommt und wie sich echte Entlastung im Alltag schaffen lässt – statt Ihnen weitere Erziehungsratschläge mitzugeben, die Sie vermutlich ohnehin schon kennen.

Quelle: Roskam/Mikolajczak, Forschung zu Parental Burnout, europäische Prävalenzschätzung ca. 5 %.

Einzelberatung & Coaching / Persönliche Krisen

Warum fühle ich mich innerlich leer oder ausgebrannt, obwohl ich genug schlafe?

Schlaf allein repariert diese Art von Erschöpfung meistens nicht, weil sie selten rein körperlich ist. Offiziell zählt Burnout laut WHO (ICD-11) nur als arbeitsbezogenes Syndrom, mit drei Merkmalen: Erschöpfung, innere Distanzierung von der Arbeit und das Gefühl, weniger zu leisten als früher. Erschöpfung durch andere Lebensbereiche – die Pflege der Eltern, eine lange Beziehungskrise, Dauerstress in der Familie – fällt offiziell nicht darunter, fühlt sich aber genauso real an. Und ehrlich gesagt: Ihrem Nervensystem ist es meistens ziemlich egal, woher der Druck kommt. Was ich in der Beratung oft sehe: Menschen funktionieren nach außen noch einwandfrei, während innerlich längst nichts mehr nachkommt. Das ist keine Charakterschwäche, sondern ein Warnsignal, das ernst genommen werden sollte, bevor der Körper die Reißleine zieht.

Quelle: WHO ICD-11, Code QD85 (Burnout als arbeitsbezogenes Syndrom, keine eigenständige Krankheit).
Warum zweifle ich ständig an mir selbst und erkenne mich manchmal kaum wieder?

Häufig entsteht dieses Gefühl nicht plötzlich, sondern schleichend – nach einer längeren Phase, in der Sie sich mehr an fremden Erwartungen orientiert haben als an eigenen. Das eigene Empfinden verliert dann an Gewicht, weil es ständig überstimmt wurde, von außen oder von einem inneren Kritiker, der irgendwann übernommen hat. In der Einzelberatung geht es zunächst darum, diesen inneren Kritiker von Ihrer eigentlichen Stimme zu unterscheiden – nicht, um ihn zum Schweigen zu bringen, das gelingt selten, sondern um der eigenen Einschätzung wieder mehr Gewicht geben zu können. Das ist keine Frage von Willenskraft, sondern von Übung, und die lässt sich in erstaunlich kurzer Zeit wieder aufbauen.

Woran erkenne ich erste Anzeichen von Burnout bei mir selbst?

Klassische frühe Anzeichen: Sie brauchen für dieselbe Aufgabe spürbar länger als früher, kleine Dinge bringen Sie schneller aus der Fassung, und Erholungspausen wirken nicht mehr richtig – Sie starten schon erschöpft in den freien Tag. Aus meiner eigenen Zeit als Fitnesstrainer weiß ich außerdem: Körperliche Symptome wie Verspannungen, Schlafprobleme oder ein dauerhaft erhöhter Puls werden oft ignoriert, bis sie sich nicht mehr ignorieren lassen. Wenn Sie zwei oder drei dieser Anzeichen über mehrere Wochen bei sich bemerken, würde ich nicht warten, bis daraus ein handfester Zusammenbruch wird. Ein frühes Gespräch ist fast immer leichter als ein spätes.

Supervision & Teamentwicklung / Arbeitskonflikte

Wie geht man als Führungskraft mit einem Team um, das nach einem belastenden Einsatz erschöpft ist?

Aus über 20 Jahren Supervision in Rettungsdienst, Palliativteams und Krisenteams – viele davon in der Region München und im Erdinger Umland – kann ich sagen: Der größte Fehler ist, direkt zur Tagesordnung überzugehen, weil „ja weitergearbeitet werden muss". Teams, die nach einem belastenden Einsatz keinen Raum bekommen, das Erlebte kurz einzuordnen, tragen die Belastung oft unbemerkt in den nächsten Einsatz mit. Als Führungskraft reicht dafür oft schon eine kurze, strukturierte Nachbesprechung, in der jeder sagen kann, wie es ihm geht, ohne dass gleich eine große Aufarbeitungssitzung daraus wird. Baut sich Erschöpfung über mehrere Einsätze hinweg auf, ist der richtige Zeitpunkt für externe Supervision meistens früher, als die meisten Teams denken.

Wie geht man mit anhaltenden Spannungen im Team um, ohne dass es eskaliert?

Anhaltende Spannungen im Team eskalieren fast nie plötzlich – sie bauen sich über kleine, ungesagte Dinge auf, bis eine Kleinigkeit zum Auslöser wird. Der erste Schritt ist deshalb selten die große Konfliktklärung, sondern eine saubere Auftragsklärung: Worum geht es eigentlich, und wer muss dafür an einem Tisch sitzen. In der Teamsupervision achte ich bewusst darauf, dass niemand bloßgestellt wird – wir schauen auf das Muster im Team, nicht auf einzelne Schuldige. Das entlastet erfahrungsgemäß schneller, als die meisten Teams erwarten, weil endlich jemand von außen die Zwischentöne anspricht, die intern niemand aussprechen wollte.

Was tun, wenn ich innerlich schon „gekündigt" habe, aber beruflich nicht wechseln kann?

Sie sind damit in großer Gesellschaft. Der Gallup Engagement Index für Deutschland zeigt für 2025, dass nur rund 10 Prozent der Beschäftigten eine hohe emotionale Bindung zu ihrer Arbeit haben, während 77 Prozent „Dienst nach Vorschrift" machen. Das kostet nicht nur die deutsche Wirtschaft geschätzt über 100 Milliarden Euro jährlich, sondern auch Sie selbst: Wer innerlich schon gekündigt hat, ist nachweislich häufiger krank als engagierte Kolleg*innen – im Schnitt rund 4 Krankheitstage mehr pro Jahr. Wenn ein Wechsel gerade nicht möglich ist, lohnt sich trotzdem ein Blick darauf, was genau die Bindung hat kippen lassen. Oft lässt sich zumindest ein Teil davon verändern, ohne gleich den Job zu wechseln.

Quelle: Gallup Engagement Index Deutschland 2025.

Traumasensible Begleitung

Was bedeutet „traumasensibel" – muss ich über das Erlebte im Detail sprechen?

Nein, ausdrücklich nicht. In der traumasensiblen Begleitung geht es nicht darum, das Erlebte im Detail zu durchleben – das kann das Nervensystem sogar zusätzlich überfordern. Wir arbeiten stattdessen im Hier und Jetzt, mit Ihrer Stabilisierung und Sicherheit, in Ihrem Tempo.

→ Mehr zur traumasensiblen Begleitung → Was ist Ego-State-Arbeit?
Wie äußert sich Stress im Körper, ohne dass man im klinischen Sinn „traumatisiert" ist?

Häufig sehr ähnlich, auch wenn die Ursache eine andere ist: ein dauerhaft erhöhter Grundtonus, Schlafprobleme, Reizbarkeit, das Gefühl, nie ganz zur Ruhe zu kommen, manchmal auch innere Erstarrung. Das Nervensystem unterscheidet zunächst nicht, ob eine Belastung „trauma-würdig" im klinischen Sinn ist oder „nur" ein sehr belastender Lebensabschnitt – es reagiert auf das, was gerade zu viel ist. In der Praxis nutze ich hypnosystemische Stabilisierungskonzepte, um genau diesen Grundtonus wieder herunterzufahren, unabhängig davon, wie die Ursache fachlich einzuordnen ist.

Was unterscheidet traumasensible Begleitung von einer klassischen Traumatherapie?

Eine klassische Traumatherapie wird von Fachärzt*innen oder psychologischen Psychotherapeut*innen durchgeführt und arbeitet direkt an der Verarbeitung des Traumas im medizinischen Sinn. Meine traumasensible Begleitung ist eine ressourcenorientierte Stabilisierung für Menschen, die keine psychiatrische Behandlung im engeren Sinn benötigen oder wollen.

→ Ausführliche Abgrenzung auf der Seite Traumasensible Begleitung

Online-Beratung

Ist Online-Beratung genauso wirksam wie ein Termin vor Ort?

Die Forschung dazu ist inzwischen erstaunlich eindeutig: Eine Metaanalyse von 20 Studien fand keine relevanten Unterschiede zwischen Online- und Präsenzformat. Eine deutsche Untersuchung mit rund 60.000 Patient*innen während der Pandemie-Umstellung zeigte vergleichbare Verläufe – Abbrüche waren sogar seltener. Die Chemie zwischen uns lässt sich auch online in den ersten 15 Minuten spüren.

Quelle: Metaanalyse zu Online- vs. Präsenztherapie (20 Studien); Begleitstudie Deutsches Ärzteblatt 2021, ca. 60.000 Patient*innen.→ Mehr zu den technischen Voraussetzungen der Online-Beratung
Ist Online-Paartherapie sinnvoll, wenn wir beruflich an unterschiedlichen Orten leben?

Ja, das ist sogar eine der Situationen, für die Online-Beratung besonders gut funktioniert. Leben Sie und Ihr Partner beruflich bedingt zeitweise getrennt, schalten wir uns trotzdem zu dritt im selben virtuellen Raum zusammen, statt die Paartherapie ganz auszusetzen. Ich moderiere dabei bewusst so, dass beide gleichermaßen gehört werden.

→ Mehr zur Online-Paartherapie
Wie diskret und datenschutzkonform ist eine Online-Beratung wirklich?

Sehr – das ist mir persönlich wichtig, nicht nur aus rechtlichen Gründen. Ich nutze für Online-Termine einen datenschutzkonformen Videodienst, keine Standard-Consumer-Software, die Daten an Dritte weiterreicht. Sie brauchen dafür keine Software zu installieren oder sich zu registrieren, was zusätzlich zu Ihrer Anonymität nach außen beiträgt. Und wie beim persönlichen Gespräch unterliege ich auch bei Online-Terminen der gesetzlichen Schweigepflicht nach § 203 StGB. Der einzige Unterschied zur Praxis vor Ort: Sie sollten selbst für einen ruhigen, ungestörten Raum bei sich zu Hause sorgen, in dem Sie frei sprechen können.

Ihre Frage war nicht dabei?

Dieser Ratgeber wächst monatlich weiter. Bis dahin: Ein kurzes, kostenloses Ersttelefonat klärt die meisten offenen Fragen schneller als jede Website.

WhatsApp